Wirtschaft

Pleite-Schock: So schlimm wie seit 2013

12.800 Insolvenzen, 18,5 Milliarden Euro Schaden: Diese Branchen trifft die Pleitewelle jetzt besonders hart.

11.09.2026, 08:35 Uhr

Die kurze Entspannung vom Mai ist schon wieder vorbei: Im Juni hat die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland erneut spürbar zugenommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts registrierten die Amtsgerichte 2.266 Anträge auf Unternehmensinsolvenzen. Das sind 15,8 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern war das der höchste Monatswert seit 2014.

Auch bei den Verbraucherinsolvenzen ging die Zahl nach oben: Sie stieg im Juni um 5,1 Prozent auf 6.839 Fälle.

Für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 summiert sich die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen damit auf 12.812. Einen höheren Stand in einem ersten Halbjahr hatte es laut Destatis zuletzt 2013 gegeben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 6,7 Prozent.

Kleinere Verfahren dominieren

Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich im ersten Halbjahr auf rund 18,5 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 28,2 Milliarden Euro gewesen. Daraus lässt sich ableiten, dass derzeit eher kleinere Insolvenzverfahren angemeldet werden.

Umgerechnet auf 10.000 Unternehmen waren im ersten Halbjahr 36,2 Betriebe zahlungsunfähig. Besonders stark betroffen waren die Bereiche Verkehr und Lagerei mit 71,6 Fällen je 10.000 Unternehmen. Ebenfalls hohe Werte verzeichneten das Gastgewerbe mit 59,6 sowie das Baugewerbe mit 53,4 Fällen.

Warnsignal für die Politik

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer wertet die Entwicklung als Warnsignal an die Koalition. DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers fordert, den angekündigten Reformkurs konsequent umzusetzen. Aus Sicht der Wirtschaft brauche es schnelle Reformen und insgesamt eine Politik, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder stärker in den Mittelpunkt rückt.

Keine schnelle Entspannung in Sicht

Die deutsche Wirtschaft wird schon seit Längerem von einer Pleitewelle belastet. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen laut Statistischem Bundesamt um gut zehn Prozent auf 24.064 Fälle. Das war der höchste Stand seit 2014. Bereits 2023 und 2024 war die Zahl der Firmenpleiten jeweils um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Hinzu kommen neue Hinweise darauf, dass die Lage angespannt bleibt. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat mit einem abweichenden Ansatz bereits eine Hochrechnung für Kapital- und Personengesellschaften bis einschließlich August vorgelegt. Demnach lag die Zahl relevanter Unternehmensinsolvenzen mit 1.525 Fällen um neun Prozent über dem Wert von August 2025. Im Vergleich zum August-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 ergibt sich sogar ein Plus von 63 Prozent. Zudem waren nach IWH-Angaben deutlich mehr Beschäftigte betroffen.

Der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller, sprach trotz des leichten Rückgangs gegenüber Juli lediglich von einer „Verschnaufpause“. Frühindikatoren deuteten auf wieder steigende Zahlen in den kommenden Monaten hin. Trotz erster konjunktureller Erholungssignale bewege sich das Insolvenzgeschehen weiterhin auf hohem Niveau.

Etwas anders bewerten Insolvenzverwalter die Entwicklung. Sie sehen keinen Anlass für Alarmismus, sondern verweisen vor allem auf den wirtschaftlichen Strukturwandel. Entscheidend sei, dass Kapital, Flächen und Arbeitskräfte nach Insolvenzen in tragfähige und zukunftsfähige Geschäftsmodelle übergehen.

Verzögerung in der amtlichen Statistik

Das Bundesamt weist zudem darauf hin, dass Insolvenzanträge erst dann in die Statistik einfließen, wenn das Insolvenzgericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Der tatsächliche Antrag liegt daher häufig etwa drei Monate zurück. Zudem erfasst Destatis auch Kleinstunternehmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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