Fußball

Fàbregas, Geld, Geniestreich: Warum Como Leipzig schlägt

Pleite mit bitterer Pointe: Leipzig verliert in Como – ausgerechnet gegen Fàbregas, den RB selbst fast geholt hätte.

11.09.2026, 09:46 Uhr

Fehlstart für Leipzig: Como zeigt RB schmerzhaft die eigenen Defizite auf

Die deutliche Niederlage in Como dürfte für Oliver Mintzlaff und Marcel Schäfer mehr gewesen sein als nur ein misslungener Start in die Champions League. Am Comer See wurde den Verantwortlichen von RB Leipzig vor allem vor Augen geführt, was dem Club womöglich seit Monaten fehlt: ein Trainer wie Cesc Fàbregas.

Vor rund eineinhalb Jahren hatte Leipzig offenbar ernsthaft versucht, den früheren Weltmeister zu verpflichten. Doch im Ringen der finanzstarken Investorenvereine setzte sich Como 1907 durch. Die indonesischen Eigentümer des italienischen Clubs verweigerten ihrem Coach die Freigabe. Dabei soll es zwischen Leipzig und Fàbregas bereits eine weitgehende Einigung gegeben haben. Beim 4:1-Erfolg gegen RB demonstrierte Comos Mannschaft nun eindrucksvoll, was sich die Sachsen selbst wünschen würden: kontrollierten Ballbesitz, hohes Tempo, große Intensität bis in die Schlussphase und Konsequenz vor dem Tor.

Como längst im Vorteil

„Die Realität ist, dass Como seit fast drei Jahren eine klare Identität besitzt“, sagte Leipzigs Trainer Martin Demichelis nach dem Spiel. Der Argentinier ist erst seit etwas mehr als zwei Monaten im Amt und steht bereits früh unter Druck. Im Bundesliga-Spiel am Sonntag gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hamburger SV ist ein Sieg praktisch Pflicht.

Für die Leipziger Führung ist die Realität aber noch in anderer Hinsicht ernüchternd: Como hat RB bei den finanziellen Möglichkeiten mittlerweile überholt. Anders als in Deutschland gibt es in Italien keine 50+1-Regel. Dadurch konnte die Hartono-Familie den Club vollständig übernehmen und mit Hunderten Millionen Euro ausstatten. Zwar investierten sowohl Leipzig als auch Como in den vergangenen drei Jahren jeweils rund 350 Millionen Euro in neue Spieler. Doch während RB gleichzeitig etwa 450 Millionen Euro durch Verkäufe einnahm, waren es bei Como, das vor sieben Jahren noch viertklassig spielte, lediglich rund 40 Millionen.

Como 1907 - RB Leipzig
Cesc Fàbregas ist der Architekt von Comos Erfolg. Quelle: Jan Woitas/dpa

Probleme im Pressing und Zweifel am Trainerwechsel

Diese Unterschiede zeigen sich auch auf dem Transfermarkt. So war Leipzig unter anderem an dem starken Kroaten Martin Baturina interessiert, der gegen RB überzeugte. Beim Angebot aus Como konnte der Bundesligist den Vernehmen nach jedoch nicht mithalten. Innerhalb Deutschlands zählt Leipzig zwar weiterhin zu den attraktivsten Adressen, im internationalen Vergleich droht der Club aber an Boden zu verlieren.

Dazu kommen Schwierigkeiten, die hausgemacht sind. Besonders im Fokus steht der Trainerwechsel von Ole Werner zu Martin Demichelis, der auf Initiative des früheren globalen Fußballchefs Jürgen Klopp und dessen Assistenten Mario Gomez vollzogen wurde. Viele Fans begegnen Demichelis deshalb mit Skepsis. Außerdem ist bislang kaum erkennbar, welche Fortschritte die Mannschaft in der Vorbereitung gemacht haben soll.

Gerade beim Pressing, lange eine klassische Stärke von RB, offenbarten sich deutliche Mängel. Nicht nur in Como funktionierte dieser wichtige Baustein kaum. Abwehrchef Willi Orban brachte das Problem auf den Punkt: „Es macht einen Unterschied, ob man Pressing im Training einstudiert oder unter Wettkampfbedingungen umsetzt. Dann muss jede Bewegung stimmen, dazu braucht es Intensität und Härte in den Duellen.“

Demichelis fordert Geduld

Der Leipziger Trainer bewertete den misslungenen Auftritt sachlich. Er sprach die vielen Gegentore, die Fehler gegen den Ball und die noch fehlende Abstimmung mit den Neuzugängen offen an, von denen einige erst spät zur Mannschaft gestoßen waren. Trotz der angespannten Lage wirbt Demichelis um Besonnenheit. „Wir müssen ruhig bleiben, allen voran ich als Trainer“, sagte der 45-Jährige. Zugleich machte er Hoffnung: „Im Moment ist es schwer, positive Dinge zu erkennen. Aber in den kommenden Wochen werden wir eine bessere Mannschaft sehen.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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