Nach dem dringend benötigten Erfolg gegen Japan sprang den deutschen Basketballerinnen die Erleichterung deutlich ins Gesicht. In der Berliner Max-Schmeling-Halle feierte das Team den 74:58-Sieg ausgelassen auf dem Parkett, während aus den Lautsprechern ausgerechnet „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel lief.
Der Song mag nicht jedermanns Geschmack getroffen haben, für die Mannschaft hat er jedoch Symbolkraft. Kapitänin Marie Gülich erklärte die Wahl mit dem Gedanken, trotz aller Widerstände immer weiterzumachen. Genau dieses Selbstverständnis prägt das deutsche Team bei der Heim-WM.
Viele Rückschläge vor dem Turnier
An Hindernissen mangelte es in diesem Sommer nicht. Zunächst musste das Team auf Topspielerin Satou Sabally verzichten, die verletzungsbedingt absagte. Dazu kamen gesundheitliche Probleme bei Leonie Fiebich und Nyara Sabally, die angeschlagen in das lange erwartete Heimturnier gingen. Zum Auftakt setzte es dann auch noch eine deutliche 53:83-Niederlage gegen Spanien, die die Euphorie in Berlin zunächst bremste.
Kurz vor dem wichtigen zweiten Gruppenspiel gegen Japan folgte der nächste Dämpfer: Aufbauspielerin Alexis Peterson fiel krank aus. Viele rechneten deshalb mit einer weiteren Enttäuschung. Doch die deutsche Auswahl zeigte eine starke Reaktion und überzeugte mit großem Einsatzwillen.
Leonie Fiebich betonte nach der Partie, dass das Team in schwierigen Situationen enger zusammenrücke. Genau das sei auch gegen Japan zu sehen gewesen: Die Spielerinnen hätten füreinander gekämpft und sich gegenseitig getragen.

Deutlich bessere Leistung gegen Japan
Von Beginn an trat Deutschland wesentlich aggressiver auf als noch gegen Spanien. Vor allem die japanischen Distanzschützinnen wurden konsequent verteidigt und kamen nur selten zu offenen Dreiern. Bundestrainer Olaf Lange sagte, seine Mannschaft habe unbedingt beweisen wollen, dass der schwache Auftakt nicht ihr wahres Leistungsvermögen widerspiegele. Besonders stolz mache ihn, mit welchem Teamgeist und Zusammenhalt seine Spielerinnen aufgetreten seien.
Mali sorgt für Überraschung
Mit derselben Haltung will Deutschland nun in das abschließende Gruppenspiel gegen Mali gehen. Die Afrikanerinnen überraschten mit einem 82:73 gegen Spanien, weshalb in Gruppe A vor dem letzten Spieltag jedes Team bei einem Sieg und einer Niederlage steht.
Damit ist für die deutsche Mannschaft noch alles möglich: vom Gruppensieg bis zum Ausscheiden. Mit einem Erfolg gegen Mali wäre Deutschland mindestens in den Play-ins und würde am Dienstag gegen Ungarn oder Südkorea um den Einzug ins Viertelfinale spielen.
Diese Szenarien gibt es für Deutschland
Selbst eine Niederlage muss nicht zwingend das Aus bedeuten. Sollte Spanien parallel gegen Japan gewinnen, würde die deutsche Auswahl dank des direkten Vergleichs mit Japan als Gruppendritter weiterkommen.
Gewinnt Deutschland dagegen selbst gegen Mali und setzt sich gleichzeitig Japan gegen Spanien durch, wäre das DBB-Team sogar direkt für das Viertelfinale am Donnerstag qualifiziert und hätte davor zwei Tage Pause.
Fokus auf das Duell mit Mali
Trotz der möglichen Rechenspiele richtet sich der Blick im deutschen Lager zunächst nur auf die nächste Aufgabe. Gülich erwartet gegen Mali eine völlig andere Partie, die vor allem durch viel Physis geprägt sein dürfte.
Wichtig könnte dabei erneut Nyara Sabally werden. Dass sie gegen Japan nur einen Tag nach dem Spanien-Spiel fast 22 Minuten auf dem Feld stand, kam selbst für den Bundestrainer überraschend.
Nyara Sabally und der Heimfaktor Berlin
Bis kurz vor Beginn der WM war unklar gewesen, ob Sabally überhaupt mitwirken kann. Wegen Problemen an der Wade hatte sie seit dem 12. August kein Spiel mehr für ihren WNBA-Club Toronto Tempo bestritten. Zuvor hatte sie zudem immer wieder mit Beschwerden am Knie zu kämpfen.
Lange, der neben seiner Aufgabe als Bundestrainer auch Assistenzcoach in Toronto ist, verwies darauf, dass Sabally in dieser Saison eigentlich keine Spiele an zwei aufeinanderfolgenden Tagen absolvieren konnte. Dass es nun doch möglich war, könnte aus seiner Sicht auch mit dem Austragungsort zusammenhängen: in Berlin, mit der Familie in der Nähe und einer für sie besonders emotionalen Situation.
Der Sieg gegen Japan hat Deutschland damit nicht nur sportlich zurück ins Turnier gebracht, sondern auch gezeigt, wie widerstandsfähig dieses Team sein kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber