Politik

Wien-Showdown: Geschworene beraten über Russland-Spionage

Marsalek-Spur, Moskau, Urteil: Ein Ex-Verfassungsschützer vor Gericht – und die Ermittler stoßen auf noch mehr.

20.05.2026, 12:27 Uhr

Im Wiener Spionageprozess gegen einen mutmaßlichen Helfer des früheren Wirecard-Managers Jan Marsalek haben die Geschworenen ihre Beratungen aufgenommen. Mit einer Entscheidung des Wiener Landesgerichts wird nach Angaben aus Justizkreisen im Laufe des Nachmittags oder am Abend gerechnet.

Vor Gericht steht der frühere österreichische Verfassungsschützer Egisto Ott. Laut Anklage soll er Informationen für den russischen Geheimdienst beschafft haben. Zu den Betroffenen hätten demnach auch aus Russland geflohene Personen gehört, darunter ein ehemaliger Geheimdienstmann, der bei Präsident Wladimir Putin in Ungnade gefallen sein soll. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft Ott vor, über Mittelsleute Mobiltelefone ranghoher Beamter des österreichischen Innenministeriums nach Moskau weitergeleitet zu haben.

Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Neben Spionage werden Ott auch Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit zur Last gelegt. Nach Darstellung der Anklage soll er für seine mutmaßlichen Tätigkeiten mehrere Zehntausend Euro erhalten haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Ott bestreitet sämtliche Vorwürfe. Vor Gericht erklärte er, nicht für Moskau gearbeitet zu haben. Stattdessen sei er im Rahmen einer verdeckten Aktion gemeinsam mit einem westlichen Geheimdienst tätig gewesen. Der Staatsanwalt sprach in seinem Schlussplädoyer laut APA hingegen von einer erdrückenden Beweislage. Keiner der Zeugen habe Otts Version gestützt.

Verbindung über Marsalek und bulgarische Kontakte

Nach Darstellung der Anklage lief Otts Verbindung nach Russland über den international gesuchten Jan Marsalek sowie über Bulgaren, die im vergangenen Jahr in London als Mitglieder eines russischen Spionagenetzwerks verurteilt wurden. Ein ehemaliger hochrangiger Verfassungsschützer, den die Ermittler ebenfalls mit dem Fall in Verbindung bringen, hat sich inzwischen ins Ausland abgesetzt.

Weitere Ermittlungen wegen Personaldaten

Unabhängig von dem laufenden Prozess dauern die Ermittlungen gegen Ott an. Eine Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es dabei um den Verdacht geht, der mutmaßliche Russland-Spion habe Zugriff auf persönliche Daten von Zehntausenden Beschäftigten des Innenministeriums gehabt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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