Fußball

Rettet Hecking jetzt Wolfsburg?

Wolfsburg gilt gegen Paderborn als klarer Favorit – doch dass der VfL überhaupt noch hoffen darf, verdankt er vor allem einem Mann.

20.05.2026, 11:58 Uhr

Hecking ist froh über Paderborn statt Hannover

Für Dieter Hecking ist die Ausgangslage vor der Bundesliga-Relegation auch emotional besonders: Gegner des VfL Wolfsburg ist der SC Paderborn und nicht Hannover 96. Darüber dürfte der 61-Jährige nicht unglücklich sein, schließlich verbindet ihn mit Hannover eine enge persönliche Geschichte als früherer Spieler und Trainer. Ausgerechnet gegen seinen Herzensclub um den letzten Platz in der Bundesliga kämpfen zu müssen, wäre für ihn eine unangenehme Konstellation gewesen.

Dass Hecking seit Jahrzehnten im Fußballgeschäft unterwegs ist, zeigt sich auch an seiner Verbindung zu Paderborn. Von 1994 bis 1996 lief er für den damaligen Verein TuS Paderborn-Neuhaus auf – gemeinsam mit den heutigen Trainern Roger Schmidt und Daniel Farke. Fast 42 Jahre nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz im November 1981 kennt Hecking in der Branche beinahe jeden und hat schon fast alles erlebt.

Hecking spürt den Druck – und sieht darin etwas Positives

Vor dem Hinspiel an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) in der Volkswagen Arena sprach Hecking offen über die besondere Anspannung. „Ich habe auch Druck. Den spüre ich doch auch. Solche Spiele elektrisieren“, sagte der Wolfsburger Trainer. Dass die Relegation bundesweit große Aufmerksamkeit bekommt, wertet er jedoch nicht als Belastung.

Vielmehr betonte Hecking, dass Wolfsburg trotz aller Fallhöhe auch etwas erreicht habe. Der VfL habe sich überhaupt erst die Chance erarbeitet, in diesen beiden Partien noch um den Klassenerhalt zu spielen. Damit sendete der Trainer vor dem Duell mit Paderborn ein Signal zwischen Selbstbewusstsein und Wachsamkeit.

In Wolfsburg gilt Hecking als entscheidender Faktor

In Wolfsburg herrscht bei vielen die Überzeugung, dass die Lage ohne Heckings Rückkehr am 8. März deutlich schlechter wäre. Statt des VfL hätte nach dieser Lesart eher der FC St. Pauli oder der 1. FC Heidenheim in die Relegation gemusst – Wolfsburg wäre nach Monaten voller Chaos womöglich direkt abgestiegen.

Eriksen hebt Heckings Einfluss hervor

Christian Eriksen lobte seinen Trainer im Gespräch mit Sky ausdrücklich. Hecking habe mit „Charisma und Aura“ sofort Wirkung entfaltet. Seine Erfahrung aus vergleichbaren Situationen habe sich auf die Mannschaft übertragen. Laut Eriksen profitierte das Team vor allem davon, dass Hecking die Dynamik innerhalb des Kaders, die Rollenverteilung und auch die Spielidee neu geordnet habe. Dadurch trete Wolfsburg inzwischen konstanter auf und wisse klarer, was auf dem Platz verlangt werde.

Das Urteil des Dänen hat Gewicht. Der 34-Jährige arbeitete im Laufe seiner Karriere bereits unter renommierten Trainern wie José Mourinho, Antonio Conte und Mauricio Pochettino.

Klarheit statt großer Inszenierung

Hecking trat in Wolfsburg nicht als Lautsprecher auf und setzte auch nicht auf außergewöhnliche Methoden. Seine Stärke lag vielmehr in einer klaren Linie. Damit gelang es ihm, einen Kader zu ordnen, der wegen interner Schwierigkeiten und zahlreicher Fehlentscheidungen auf dem Transfermarkt zwischenzeitlich kaum noch formbar wirkte.

Bei insgesamt 33 Spielern im Aufgebot erkannte Hecking offenbar schnell, auf wen er bauen kann. So fand etwa Vinicius Souza, der vor der Saison für 15 Millionen Euro verpflichtet worden war, erst unter Hecking in eine passende Rolle. Auch Denis Vavro, der im Winter noch als Verkaufskandidat galt, ist inzwischen zum Abwehrchef geworden.

Der Umgang mit Amoura

Auch in heiklen Personalfragen bewies Hecking Konsequenz. Als sich mit Mohammed Amoura der sportlich wertvollste Offensivspieler im Training nicht an Regeln hielt, strich ihn der Trainer trotz des Abstiegskampfs aus dem Kader. Dennoch gelang es ihm, den Vorfall so zu moderieren, dass daraus kein größeres Störfeuer entstand.

Nun zählt nur das Ergebnis gegen Paderborn

Trotz des Aufschwungs ist in Wolfsburg allen bewusst, dass die Entwicklung am Ende nur dann Bestand hat, wenn der VfL die beiden Relegationsspiele am Donnerstag und am Pfingstmontag erfolgreich gestaltet. Im vergangenen Jahr musste Hecking mit dem VfL Bochum trotz eines ähnlichen Aufwärtstrends den Abstieg hinnehmen.

In Wolfsburg hat er das Risiko des Scheiterns in den vergangenen elf Wochen allerdings deutlich gesenkt. Hecking selbst zeigt sich überzeugt, dass seine Mannschaft genau zum entscheidenden Zeitpunkt bereit ist. Sein Eindruck: Der VfL ist „zum richtigen Zeitpunkt da“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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