Politik

Was das geheime Abi-Zeugnis des Kanzlers verrät

Zurück an seine alte Schule: Lüftet der Kanzler heute endlich das Geheimnis um seine Abiturnote? Seine Andeutungen haben es in sich.

05.10.2026, 04:30 Uhr

Merz kehrt an seine alte Schule in Rüthen zurück

Bundeskanzler Friedrich Merz ist an jene Schule im sauerländischen Rüthen zurückgekehrt, an der er vor 51 Jahren sein Abitur ablegte. Zum 100-jährigen Bestehen des Friedrich-Spee-Gymnasiums wurde er auf dem Schulhof von Hunderten Schülerinnen und Schülern mit Applaus empfangen.

Als Merz aus seiner schwarzen Limousine stieg, bildeten viele ein Spalier. Einige riefen ihm „Hallo, Kanzler“ zu. Er ging die Reihe ab, schüttelte Hände, suchte das kurze Gespräch und zeigte sich sichtlich gelöst. Mit Blick auf den herzlichen Empfang sagte er sinngemäß, so sei das früher zu seiner Schulzeit nicht gewesen.

Viel Nähe zu den Schülerinnen und Schülern

Dem Kanzler war die Freude über den Besuch anzumerken. Er scherzte, nahm sich Zeit und erzählte in einer kurzen Ansprache auch persönliche Erinnerungen. Dort, wo heute an der Fassade „Friedrich“ für den Schulnamen steht, habe sich einst sein Klassenraum befunden, berichtete er. Zugleich betonte er, dass er sich in Rüthen immer wohlgefühlt habe – anders als in manchen früheren Schuljahren.

Appell mit Blick auf Frieden und Freiheit

Bei der Begrüßung erinnerte Merz auch an das Leid junger Menschen in der Ukraine. Millionen Kinder dort wollten gern in Frieden und Freiheit leben, so wie es hier möglich sei. Den Jugendlichen in Rüthen gab er mit, Demokratie, Freiheit und Frieden nicht für selbstverständlich zu halten.

Der Besuch erfolgte kurz nach einer anstrengenden Reise: Nach seinem rund 14-stündigen Aufenthalt in Kiew war Merz nachts mit dem Sonderzug nach Polen zurückgefahren, von dort am Morgen per Militärflugzeug nach Berlin und anschließend mit einer kleineren Maschine weiter ins Sauerland.

„Ich mache es, weil ich etwas tun möchte für euch“

In seiner Ansprache sagte Merz, die jungen Menschen bestärkten ihn in seinem Einsatz. Er sei vergleichsweise spät Bundeskanzler geworden und wolle in diesem Amt vor allem für die junge Generation etwas bewegen. Seine wichtigste Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche auch künftig in einem Land in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben könnten.

Zugleich machte er deutlich, dass Schule Vorbereitung auf das Leben sei und Eigenanstrengung dazu gehöre.

Abiturnote bleibt offiziell unter Verschluss

Das Abiturzeugnis des Kanzlers gilt weiterhin als gut gehütetes Geheimnis. Merz hatte bereits im vergangenen Jahr scherzhaft gesagt, das Dokument liege zu Hause im Tresor und werde dort auch bleiben – nicht zuletzt, damit seine Enkelinnen und Enkel motiviert blieben.

Auf Nachfragen hatte er damals allerdings eingeräumt, dass sein Ergebnis eher im unteren Bereich lag. Als die Note 3,8 ins Spiel kam, bestätigte er sinngemäß, dass sich sein Schnitt ungefähr in dieser Größenordnung bewegt habe.

Auch in Rüthen spielte er darauf an und riet den Schülerinnen und Schülern: „Macht ein bisschen besseres Abitur als ich.“

Schwierige Jahre vor dem Wechsel nach Rüthen

Merz sprach erneut offen über Probleme in seiner Schulzeit. Er habe damals wenig Disziplin gehabt, echte Motivationsprobleme verspürt und sei von seinem Umfeld eher zusätzlich ausgebremst worden. Rückblickend sagte er einmal sehr direkt, er habe auf Schule schlicht „keinen Bock“ gehabt.

Bei dem Gespräch in der Aula mit rund 120 Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften stellte er aber auch klar, dass vor allem die Jahre vor dem Wechsel nach Rüthen schwierig gewesen seien. Auf eine Frage nach seinem Ruf als schwieriger Schüler antwortete er sinngemäß: Nicht er habe Schwierigkeiten mit der Schule gehabt, sondern die Schule mit ihm. Eine Klasse habe er wiederholen müssen, zudem sei er mit Mathematik zunächst nicht zurechtgekommen.

In Rüthen wendete sich das Blatt

Erst nach dem Wechsel vom Gymnasium in Brilon nach Rüthen habe sich vieles zum Besseren entwickelt, sagte Merz mit einem Scherz darüber, dass Schule und er in Brilon wohl nicht gut zusammengepasst hätten. In Rüthen habe er gute Lehrer erlebt, sich wohlgefühlt und eine gute Atmosphäre vorgefunden.

Später seien ausgerechnet Mathematik und Physik sogar zu seinen Lieblingsfächern geworden. 1975 legte er dort schließlich mit 19 Jahren das Abitur ab.

Harte Erinnerungen an Schule in früheren Jahrzehnten

Zu seinen schwierigen Erfahrungen zählten nach eigenen Schilderungen auch die Verhältnisse an Schulen jener Zeit. Merz berichtete, in der Grundschule noch Lehrer erlebt zu haben, die Kriegsteilnehmer gewesen seien. Einer habe regelmäßig mit einem schweren Schlüsselbund durchs Klassenzimmer geworfen.

Außerdem erinnerte er an körperliche Strafen, die damals noch erlaubt waren. In der dritten Klasse sei er mit einem Stock auf Finger und Gesäß geschlagen worden. Solche Erfahrungen könnten mit dazu beigetragen haben, dass Schule für ihn lange wenig Anziehendes hatte.

Austausch hinter verschlossenen Türen

Der Besuch fand im Rahmen der Reihe „Ehemalige erzählen“ statt. Der größere Teil des Gesprächs in der Aula lief ohne Medienöffentlichkeit ab, damit offen gefragt und offen geantwortet werden konnte. Die Schülerinnen und Schüler hatten ihre Fragen zuvor gesammelt; Tagespolitik sollte dabei bewusst nicht im Mittelpunkt stehen.

Nach dem Treffen berichteten Teilnehmende, Merz habe auch Fragen zu Kritik und Verantwortung als Kanzler beantwortet. Kritik müsse man annehmen, dürfe sie sich aber nicht zu sehr zu Herzen nehmen, habe er gesagt.

Ein Schüler schilderte im Anschluss, man habe deutlich gespürt, wie wohl sich Merz an seiner alten Schule gefühlt habe – und wie viel Nostalgie bei dem Besuch mitschwang.

Bildung bleibt für Merz ein wichtiges Thema

Merz betont seit Jahren die Bedeutung von Bildung. Nach seinem zeitweiligen Rückzug aus der Politik gründete er 2005 gemeinsam mit seiner Frau die Friedrich und Charlotte Merz-Stiftung, die junge Menschen aus benachteiligten Familien in Schule und Ausbildung unterstützt.

Auch als Kanzler hebt er die Rolle von Bildung immer wieder hervor. Erst in der vergangenen Woche hatte er bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises angekündigt, sich wieder stärker selbst um Bildungspolitik kümmern und häufiger Schulen besuchen zu wollen. Lehrkräfte bezeichnete er dort als besonders wichtige Berufsgruppe, weil ihnen das Wertvollste anvertraut werde: die Kinder.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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