Niedersachsen

Mega-Deal: Marinehafen für Emden geplant

Entscheidung gefallen: Warum ausgerechnet Emden Deutschlands zweiten Marinehafen bekommt – und was dort jetzt geplant ist.

05.10.2026, 14:11 Uhr

Bundeswehr plant zweiten Marinehafen in Emden

Die Bundeswehr will in Emden einen weiteren Marinestützpunkt an der Nordseeküste errichten. Verteidigungsminister Boris Pistorius gab das Vorhaben gemeinsam mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies in der ostfriesischen Hafenstadt bekannt. Beide unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung.

Nach Angaben von Pistorius handelt es sich um ein Projekt im Milliardenumfang. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der neue Hafen zu Beginn der 2030er Jahre in Betrieb gehen. Langfristig seien in Emden bis zu 2.000 Dienstposten möglich. Für den Standort sprächen vor allem große verfügbare Flächen sowie der schnelle Zugang zum Atlantik.

Mehr Flexibilität für die Marine

Pistorius betonte, neben Wilhelmshaven sei ein zweiter Stützpunkt an der Nordsee strategisch wichtig. Dadurch werde die Marine beweglicher und könne im Krisenfall schwerer eingeschätzt werden. Das erweitere ihre Einsatzmöglichkeiten deutlich.

Zugleich erklärte der Minister, Emden werde wieder ein Standort der deutschen Marine. Er verwies darauf, dass die Marine derzeit trotz wachsender Aufgaben historisch klein aufgestellt sei. Deshalb müsse sie in den kommenden Jahren ausgebaut werden.

Bis 1997 war Emden bereits Marinestandort. Seitdem ist Wilhelmshaven der einzige Marinehafen an der deutschen Nordseeküste. Hintergrund der neuen Planungen ist der vorgesehene Ausbau der Streitkräfte, für den das Verteidigungsministerium zusätzliche Standorte geprüft hatte.

Große Hoffnungen in Emden

Pistorius bezeichnete Emden als besonders geeignet für das Vorhaben, machte aber auch deutlich, dass bis zur Umsetzung noch viele Hürden zu nehmen seien. Ein neuer Marinestützpunkt sei kein Projekt, das sich schnell und einfach verwirklichen lasse.

Verteidigungsminister Pistorius in Emden
Pistorius unterzeichnet die Absichtserklärung für den Marinehafen in Emden. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Ministerpräsident Lies hob neben Lage und Flächenangebot auch die maritime Tradition Emdens hervor. Die Stadt könne sich nun erneut als Marinestadt verstehen. Zudem sehe er Niedersachsen bei Planung und Genehmigung großer Infrastrukturprojekte gut aufgestellt.

Emdens parteiloser Oberbürgermeister Tim Kruithoff sprach von einer außergewöhnlichen Chance für die Stadt. Das Projekt könne den Hafen stärken, Arbeitsplätze schaffen und der gesamten Region wirtschaftliche Impulse geben.

Auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe wertete die Entscheidung als wichtiges Signal. Wer Deutschlands Rolle als militärische Drehscheibe in Europa stärken wolle, brauche leistungsfähige Seehäfen, erklärte Verbandschef Florian Keisinger.

Bis zu 450 Hektar vorgesehen

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort hatte die Marine in den vergangenen Monaten mehrere Küstenorte in den Blick genommen, darunter auch Bremerhaven. Dort werden schon heute militärische Güter etwa bei Truppentransporten und Übungen umgeschlagen.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte sagte, man hätte den Zuschlag für Bremerhaven zwar begrüßt, akzeptiere aber die nun getroffene militärisch-strategische Entscheidung zugunsten Emdens.

Nach Angaben von Pistorius wird für den neuen Stützpunkt eine Fläche von bis zu 450 Hektar benötigt. Das entspricht rund 630 Fußballfeldern. Die genaue Größe stehe aber noch nicht endgültig fest. Geplant ist offenbar vor allem die Stationierung von Versorgungs- und Unterstützungsschiffen, detaillierte Festlegungen gebe es bislang jedoch noch nicht.

Rysumer Nacken als möglicher Standort

Entstehen soll der Marinehafen auf dem sogenannten Rysumer Nacken westlich von Emden an der Ems. Das Gelände gehört dem Land Niedersachsen und soll an den Bund verkauft werden. Stadt, Land und die Hafeninfrastrukturgesellschaft NPorts hatten schon seit Jahren über die Entwicklung der Fläche beraten, bislang allerdings mit Blick auf zivile Nutzungen.

Kritik von Naturschützern und Anwohnern

Naturschützer vom Nabu Ostfriesland sehen die Pläne kritisch. Sie warnen davor, mit dem Rysumer Nacken ein Gebiet mit hoher Artenvielfalt aufzugeben. Dort gebe es seltene Pflanzen- und Tierarten, deren Lebensraum aus ihrer Sicht nicht wirtschaftlichen oder militärischen Interessen geopfert werden dürfe.

Am Rande der Vorstellung des Projekts protestierten zudem rund ein Dutzend Menschen gegen den geplanten Stützpunkt. Kritikerinnen und Kritiker befürchten eine zunehmende Militarisierung und Eingriffe in die Natur. Außerdem verweisen sie darauf, dass das Gebiet für viele Menschen in Emden als Naherholungsraum am Meer eine wichtige Rolle spiele.

Wilhelmshaven bleibt zentraler Marine-Standort

Der bisher einzige Marinehafen an der Nordseeküste liegt in Wilhelmshaven. Dort befindet sich zugleich der größte Bundeswehr-Standort in Deutschland. Neben dem Marinestützpunkt gehören dazu unter anderem ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum. Stationiert ist dort auch die Einsatzflottille 2 mit Fregatten, Einsatzgruppenversorgern und Flottentankern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen