Nobelpreis-Nachricht kurz vor dem Schlafengehen
Der US-Wissenschaftler Karl Deisseroth erfuhr von seinem Medizin-Nobelpreis in einem denkbar alltäglichen Moment: kurz bevor er ins Bett gehen wollte. Wie der 54-Jährige der Deutschen Presse-Agentur telefonisch aus Stanford an der US-Westküste sagte, erreichte ihn der Anruf wenige Minuten nach Mitternacht Ortszeit. Eigentlich habe er bereits ans Schlafengehen gedacht – zumal am nächsten Morgen früh der Alltag mit seinen Kindern wartete.
Gemeinsam mit den deutschen Forschern Peter Hegemann und Georg Nagel wird Deisseroth für Arbeiten zu lichtempfindlichen Ionenkanälen und zur Optogenetik geehrt. Besonders freue ihn, dass ihre Forschung durch die Auszeichnung nun deutlich mehr Menschen erreichen könne. Die Erkenntnisse über das Gehirn, die mit dieser Art von Wissenschaft möglich seien, könnten aus seiner Sicht nicht nur Fachleute, sondern die breite Öffentlichkeit interessieren.
Ehrung als große Überraschung
Die Optogenetik ermöglicht es, Zellen – vor allem Nervenzellen – mit Licht gezielt zu aktivieren oder zu hemmen. Deisseroth betonte, dass sich damit überzeugend zeigen lasse, wie stark das Verhalten von Tieren von genau definierten Zellgruppen beeinflusst wird. Für ihn hat das auch eine grundsätzliche, philosophische Dimension: Es unterstreiche, dass biologischen Prozessen eine zentrale Rolle zukommt. Alles, was mit Aktivität im Gehirn zusammenhänge, lasse sich im Prinzip mit optogenetischen Methoden untersuchen.
Ein Beispiel aus Experimenten mit Mäusen habe gezeigt, dass sich sogar aggressives Verhalten gezielt auslösen lasse. Solche Ergebnisse könnten auch für den Menschen bedeutsam sein. Je besser verstanden werde, wie Gefühle entstehen, desto größer sei die Chance, sie in eine positive Richtung zu lenken, Schwierigkeiten zu bewältigen und Potenziale zu entfalten.

Die Auszeichnung selbst bezeichnete Deisseroth als "unglaublich überraschend und beglückend". Wie genau er den Erfolg feiern werde, wisse er noch nicht. Sicher sei aber, dass er später am Tag mit seinem Laborteam zusammenkommen wolle, um die Freude über diesen Moment zu teilen. Zudem unterrichtet er in diesem Quartal gerade einen Kurs zur Optogenetik – für seine Studierenden dürfte die Nachricht daher ebenfalls etwas Besonderes sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber