Politik

Warum so viele Junge bei Teilhabe-Geldern leer ausgehen

Ihnen steht Hilfe zu – doch sie kommt kaum an: Warum viele Kinder wegen Bürokratie bei Bildung und Freizeit fast leer ausgehen.

20.07.2026, 05:00 Uhr

Viele berechtigte Kinder erhalten Hilfen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket nicht

Kinder und Jugendliche aus Familien, die Grundsicherung beziehen, haben seit inzwischen 15 Jahren Anspruch auf Unterstützung für Sport, Kultur und schulische Förderung. Einer Auswertung der Bertelsmann-Stiftung zufolge erreicht jedoch ein großer Teil dieser Leistungen die Betroffenen nicht. Nach Angaben der Stiftung aus Gütersloh bekommen mehr als 80 Prozent der Anspruchsberechtigten den monatlichen Zuschuss von 15 Euro für soziale und kulturelle Teilhabe nicht.

Den Berechnungen zufolge nutzen bei den 6- bis unter 15-Jährigen lediglich etwa 18 Prozent diese Hilfe. In der Altersgruppe von 15 bis unter 18 Jahren liegt der Anteil sogar nur bei 12 Prozent. Noch seltener werden die Leistungen von jungen Menschen abgerufen, die Sozialhilfe beziehen oder unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen. Zugleich kritisieren die Autoren, dass für Kinder aus Familien mit Wohngeld oder Kinderzuschlag keine ausreichenden Daten vorliegen und deshalb unklar ist, wie viele von ihnen die Unterstützung tatsächlich erhalten.

Beim jährlichen Zuschuss für Schulmaterialien in Höhe von 195 Euro zeigt sich laut Analyse ein etwas besseres Bild: 78 Prozent der 6- bis unter 15-Jährigen aus Familien in Grundsicherung bekommen diese Hilfe. Dennoch bleibt damit jedes fünfte Kind ohne Unterstützung für Hefte, Stifte und andere Lernmittel. Das geförderte gemeinsame Mittagessen nutzen lediglich 37 Prozent der Berechtigten.

Inanspruchnahme variiert je nach Bundesland stark

Nach Einschätzung der Studienautoren hängt es zudem zu sehr vom Wohnort ab, ob Familien die Leistungen tatsächlich nutzen. In Schleswig-Holstein greifen 59 Prozent der Berechtigten darauf zu, in Mecklenburg-Vorpommern hingegen nur 38 Prozent. Besonders niedrig ist der Anteil in Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz: Dort erreicht der Teilhabezuschuss nur rund jeden zehnten anspruchsberechtigten jungen Menschen.

Antje Funcke, Familienpolitik-Expertin der Bertelsmann-Stiftung, betont, dass der geringe Abruf nicht auf fehlenden Bedarf zurückzuführen sei. Vielmehr sei der Zuschuss zu niedrig, während der Weg zur Beantragung zu kompliziert ausfalle. Unterschiedliche Verfahren, aufwendige Formulare und zahlreiche Nachweise machten es Eltern schwer, die Leistungen zu beantragen.

Die Stiftung spricht sich deshalb für einen leichteren Zugang aus. Unterstützungsleistungen sollten möglichst ohne zusätzliche Anträge ausgezahlt werden. Das würde nicht nur Familien helfen, sondern auch den bürokratischen Aufwand in den Kommunen senken.

Paket wurde 2011 eingeführt

Das Bildungs- und Teilhabepaket war 2011 von der damaligen Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP auf den Weg gebracht worden. Ziel war es, den finanziellen Bedarf von Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Bildung und gesellschaftliche Teilhabe besser abzudecken. Dazu zählen unter anderem Zuschüsse für Ausflüge in Schule und Kita, Schülerbeförderung, gemeinsames Mittagessen, Nachhilfe, Vereinsaktivitäten, Musikunterricht und Ferienfreizeiten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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