Evenepoel glaubt nicht mehr an Pogacars Sturz vom Tour-Thron
Remco Evenepoel rechnet im Kampf um den Gesamtsieg der Tour de France kaum noch mit einer Wende. Der Belgier sieht Tadej Pogacar derzeit klar im Vorteil und bezeichnet sich selbst trotz möglicher Chancen im Zeitfahren nur als Außenseiter.
Vor der Prüfung gegen die Uhr am Genfersee liegt Evenepoel in der Gesamtwertung mit fünf Minuten Rückstand auf Platz zwei hinter dem souveränen Slowenen. Selbst wenn er die Etappe gewinnt und etwas Zeit gutmacht, hält er einen Toursieg für nur noch schwer erreichbar. Er wolle sich nicht von großen Träumen treiben lassen, erklärte der Doppel-Olympiasieger. Wenn alles normal verlaufe, sei Pogacar kaum noch zu gefährden.
Podiumsplatz bleibt das große Ziel
Am Ruhetag zog Evenepoel dennoch ein positives Zwischenfazit. Für den 26-Jährigen steht vor allem im Vordergrund, seinen Platz auf dem Podium bis Paris zu verteidigen. Nach seinem beeindruckenden Erfolg auf der schweren 15. Etappe peilt er nun den nächsten Tagessieg an — ausgerechnet in seiner Spezialdisziplin, dem Zeitfahren.
Schon im Vorjahr stand Evenepoel in Paris als Gesamtdritter auf dem Podest. In diesem Jahr könnte für ihn sogar noch mehr möglich sein, sollte er seinen zweiten Rang behaupten.
Lipowitz ordnet sich wohl unter
Evenepoel und der Deutsche Florian Lipowitz waren ursprünglich als gleichberechtigte Kapitäne in die Rundfahrt gestartet. Vor dem Zeitfahren spricht jedoch vieles dafür, dass Evenepoel seinen Vorsprung auf Lipowitz, der derzeit Fünfter ist und 1:48 Minuten zurückliegt, weiter ausbauen wird.
Lipowitz machte deutlich, dass für das Team vor allem ein Podestplatz in Paris zählt. Dafür habe Evenepoel mit Blick auf die anstehende Etappe die besten Aussichten. Zuletzt hatte sich der Deutsche bereits bereit gezeigt, eine unterstützende Rolle zu übernehmen.
Favorit im Zeitfahren, Fragezeichen in den Alpen
Den freien Tag nutzte Evenepoel, um den Kurs der 16. Etappe zwischen Èvian-les-Bains und Thonon-les-Bains zu besichtigen. Auf den 26,1 Kilometern gilt der Olympiasieger und Weltmeister im Zeitfahren als Topfavorit. Vor allem die schnelle und technisch anspruchsvolle Abfahrt Richtung Ziel schätzt er als heikel ein. Allerdings, so sagte er, gelte das für das gesamte Feld.
Spannend bleibt, wie sich Evenepoel auf den schweren Alpen-Etappen am Freitag und Samstag schlagen wird, die beide in Richtung Alpe d’Huez führen. In den Bergen zeigte der Vuelta-Sieger von 2022 zuletzt eine ansteigende Form. Die Tage nach dem Zeitfahren möchte er deshalb möglichst energiesparend angehen, um für den Schlussabschnitt der Tour bereit zu sein. Sein Ziel sei es, die beste dritte Woche seiner Karriere zu fahren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber