In vielen deutschen Großstädten prägen weiterhin Dieselbusse den öffentlichen Nahverkehr. Nach einer Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die der dpa vorliegt, fahren in den 39 größten Städten rund 70 Prozent der Busse mit reinem Dieselantrieb. Werden auch Mildhybride berücksichtigt, bei denen ein Elektromotor den Verbrenner etwa beim Anfahren unterstützt, steigt der Anteil sogar auf 77 Prozent.
Mannheim vorn beim Umstieg
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass einige Städte beim Wechsel zu batteriebetriebenen Elektrobussen bereits deutlich weiter sind. Besonders weit sind demnach drei Städte aus Baden-Württemberg: Mannheim führt mit einem batterieelektrischen Anteil von 60,6 Prozent an der Busflotte. Dahinter folgen Freiburg mit 51,7 Prozent und Karlsruhe mit 51,6 Prozent. Alle drei Städte planen zudem, bei künftigen Neuanschaffungen bis 2030 ausschließlich E-Busse einzusetzen.
Elektrobusse schneiden beim Klimaschutz laut einer Studie des International Council on Clean Transportation von 2023 deutlich besser ab als Dieselbusse. Zwar entstehen bei der Herstellung zunächst mehr Emissionen, doch über die gesamte Lebensdauer gleichen die Fahrzeuge das mehr als aus, weil sie im Betrieb klimafreundlicher sind. Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix, desto günstiger fällt die Bilanz aus. Auch für die Luftqualität in Städten gelten E-Busse als Vorteil.
Nicht überall kommen Batteriebusse zum Einsatz
Zum Jahreswechsel waren laut DUH in Magdeburg, Krefeld, Wuppertal, Essen und Augsburg keine klassischen batterieelektrischen Busse unterwegs. Diese Städte belegen damit die hinteren Plätze im Ranking.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass dort nur Verbrenner fahren. In Wuppertal etwa sind Wasserstoffbusse mit Brennstoffzelle im Einsatz. Nach Angaben der Stadtwerke macht diese Technik dort rund ein Sechstel der Flotte aus. Bundesweit bleibt sie aber die Ausnahme: In den Flotten der untersuchten Städte liegt der Anteil von Brennstoffzellenbussen laut DUH bei lediglich 1,5 Prozent.
Kritik an neuen Diesel- und Biogasbussen
Kritisch bewertet die DUH vor allem Städte, die auch in den kommenden Jahren noch Busse mit Verbrennungsmotor anschaffen wollen. Augsburg landet deshalb auf dem letzten Platz, weil die Stadtwerke dort bei etwa zwei Dritteln ihrer geplanten Neuanschaffungen weiterhin auf Fahrzeuge mit Verbrenner setzen. Hintergrund ist der Kauf von 30 neuen Biogasbussen, die ältere Fahrzeuge ersetzen sollen. Ein Unternehmenssprecher begründete dies damit, dass der Ausbau der nötigen Infrastruktur für E-Busse mehr Zeit brauche. Chemnitz, ebenfalls angefragt, lieferte laut DUH keine Angaben.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch warnte, dass Dieselbusse im Nahverkehr meist länger als zehn Jahre genutzt würden. Wer also noch bis 2030 neue Verbrenner anschaffe, verschiebe das Ende fossiler Antriebe unter Umständen bis in die 2040er-Jahre. Nach seinen Worten sind in den 40 abgefragten Städten derzeit fast 10.000 Dieselbusse unterwegs, die die Luft mit Stickstoffdioxid belasten.
Resch forderte die kommunalen Verkehrsbetriebe auf, keine neuen Verbrennerbusse mehr zu kaufen und bis 2030 vollständig auf Elektroantrieb umzusteigen. Seiner Ansicht nach könnten mittlerweile auch geeignete Dieselbusse auf Elektroantrieb umgerüstet werden. Zugleich kritisierte die DUH Pläne der Bundesregierung, Fördermittel für Busse mit alternativen Antrieben zu kürzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber