Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat die Ukraine in der Nacht zum Sonntag mehrere Ziele der russischen Ölindustrie mit Drohnen angegriffen. Zuvor hatte er bereits erklärt, dass das ukrainische Militär zwei russische Raffinerien attackiert habe – in Slawjansk-na-Kubani im Gebiet Krasnodar und in der Region Jaroslawl. Inzwischen ist zudem von insgesamt drei getroffenen Anlagen der russischen Ölindustrie die Rede.
Bestätigt ist auf russischer Seite bislang vor allem der Einschlag in Slawjansk-na-Kubani. Dort brach nach Behördenangaben ein Großbrand in der Raffinerie aus. Gouverneur Weniamin Kondratjew schrieb bei Telegram zudem von einem Todesopfer. Außerdem seien mehrere Häuser sowie eine Strom- und eine Gasleitung beschädigt worden.
In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigten auch Stunden später noch hohe schwarze Rauchsäulen über der Anlage. Die Raffinerie liegt nahe der von Russland annektierten Krim und war bereits in der Vergangenheit wiederholt Ziel ukrainischer Angriffe.
Selenskyj hatte zugleich erklärt, dass auch eine Raffinerie in der Region Jaroslawl getroffen worden sei. Diese liegt rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht. Die Behörden in Jaroslawl haben einen neuen Treffer bislang nicht bestätigt.
Gouverneur Michail Jewrajew hatte zunächst Drohnenalarm ausgelöst und bei Telegram von Straßensperren im Bereich der Ölverarbeitungsanlage berichtet. Später hob er den Alarm wieder auf, ohne nähere Angaben zu möglichen Schäden zu machen. Auch Bilder in sozialen Netzwerken liefern bisher keine klaren Hinweise auf das Ausmaß möglicher Schäden.
Die Raffinerie in Jaroslawl zählt zu den größten des Landes. In den vergangenen Monaten war sie bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe, wurde beschädigt und musste repariert werden.
Selenskyj kündigte zudem weitere Angriffe auf strategisch wichtige Ziele in Russland an. Jede ukrainische Langstreckenattacke entziehe der russischen Kriegsmaschinerie Ressourcen und sei aus seiner Sicht ein Schritt in Richtung Frieden.
Neben den Drohnenangriffen auf die Ölindustrie wurde nach ukrainischen Angaben einen Tag zuvor auch die Rüstungsfabrik Titan-Barrikady in Wolgograd mit ukrainischen Marschflugkörpern stark beschädigt. Der Betrieb gilt als wichtig für die Herstellung von Raketenanlagen und Munition für mehrere russische Waffensysteme.
Das russische Militär erklärte, in der Nacht mehr als 200 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben. Dennoch kamen offenbar genug Fluggeräte durch, um Schäden an mehreren strategisch wichtigen Zielen zu verursachen.
Die anhaltenden Angriffe auf russische Ölanlagen belasten nach Berichten aus Russland inzwischen auch den Alltag im Land. In mehreren Regionen wird über Probleme bei der Treibstoffversorgung berichtet, auf der annektierten Krim soll Benzin teils nicht mehr an Privatkunden abgegeben werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber