Ukraine

Nach Spannungen: Lukaschenko drängt auf Gespräche

Steht Belarus vor dem Kriegseintritt? In Kiew wächst die Angst – doch Lukaschenko beschwichtigt. Bluff oder Eskalation?

25.06.2026, 18:45 Uhr

Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko hat angesichts neuer Spekulationen über einen möglichen Eintritt seines Landes in den russischen Krieg gegen die Ukraine zu Verhandlungen aufgerufen. Bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, sagte er, er habe vor kurzem eine Delegation des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen und dabei davor gewarnt, Belarus in den Konflikt hineinzuziehen. Nach Angaben der staatlichen Agentur Belta erklärte Lukaschenko, Belarus verfolge eine friedliche Linie und setze auf Gespräche.

Zugleich wies er Vorwürfe zurück, sein Land bereite einen Angriff vor. An der Grenze stünden auf ukrainischer Seite nach seinen Worten vor allem Kräfte der Territorialverteidigung. Es sei aus seiner Sicht undenkbar, auf Menschen zu schießen, die nicht gegen Belarus kämpfen wollten. Auch Belarus habe kein Interesse an Kämpfen mit der Ukraine, sagte Lukaschenko und verwies darauf, darüber bereits mit Russlands Präsident Wladimir Putin gesprochen zu haben. Er erklärte zudem, er könne sich sogar vorstellen, die Grenze zu öffnen, damit Ukrainer in den angrenzenden Gebieten Beeren und Pilze sammeln könnten.

Ukraine erneuert Vorwürfe gegen Minsk

Selenskyj wiederum bekräftigte seine Anschuldigungen, Belarus treffe militärische Vorbereitungen. In sozialen Netzwerken schrieb er, entlang der gemeinsamen Grenze würden Straßen sowie Lager für Waffen und Treibstoff fertiggestellt, die aus seiner Sicht eindeutig militärischen Zwecken dienten. Dazu veröffentlichte er Karten und Satellitenbilder, die die Bauarbeiten belegen sollen. Gleichzeitig forderte er Minsk auf, die Lage zu entschärfen und die Arbeiten einzustellen.

In den vergangenen Wochen haben sich die Beziehungen zwischen Kiew und Minsk weiter verschlechtert. Die ukrainische Führung warnte Belarus erneut vor einer direkten Beteiligung am Krieg und sprach von möglichen Angriffsvorbereitungen. Bereits beim russischen Einmarsch in die Ukraine vor mehr als vier Jahren waren russische Truppen auch von belarussischem Gebiet aus vorgerückt.

Lukaschenko gilt als engster Verbündeter Putins. Eigene belarussische Soldaten hat er bislang jedoch nicht in die Kämpfe geschickt. Nach Medienberichten soll Moskau zuletzt den Druck auf Minsk erhöht haben, auch weil die russischen Streitkräfte im Donbass weiterhin nur langsam vorankommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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