Ukraine

Bericht: Jagd auf kritischen Ex-Soldaten in Russland

Er wollte Putin die Wahrheit sagen – jetzt sucht ihn die Polizei. Ex-Soldat Lunin ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

27.06.2026, 20:32 Uhr

Der frühere Frontsoldat Alexander Lunin muss sich offenbar nicht auf ein Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin über die tatsächliche Situation an der ukrainischen Front vorbereiten, sondern womöglich auf Ermittlungen der Polizei. Nach Angaben der Oppositionsplattform Medusa, die sich auf Lunins Ehefrau Tatjana beruft, durchsuchten Beamte nachts die Unterkunft der Familie im Dorf Lisinowka in der Region Woronesch. Lunin selbst sei dort nicht gefunden worden, allerdings hätten die Einsatzkräfte sämtliche elektronischen Geräte aus dem Haus mitgenommen. Wo er sich derzeit aufhält, wisse seine Frau nicht; am Vortag sei er in Richtung Moskau aufgebrochen.

Auslöser der Aufmerksamkeit ist ein Video des Ex-Soldaten, das auch in Russland große Resonanz ausgelöst hat. Darin erklärte Lunin auf Instagram – einer Plattform, die in Russland offiziell verboten ist –, er wolle Putin in einer Live-Begegnung die "ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert" mitteilen. Er warf den militärischen Vorgesetzten vor, Soldaten an der Front auszunutzen, zu misshandeln und rücksichtslos zu opfern.

In dem Video formulierte Lunin zudem eine drastische Drohung: Sollte er nicht bald gemeinsam mit Putin live im Fernsehen auftreten, werde die Armee ihre Waffen auf den Kreml richten. Gleichzeitig behauptete er, hohe Militärs und Beamte hätten ihn zu dieser Forderung gedrängt. Das Video verbreitete sich in kurzer Zeit rasant, erreichte rund zehn Millionen Aufrufe und sammelte Hunderttausende Likes.

Die Kritik an Russlands Kriegsführung kommt inzwischen zunehmend auch aus den eigenen Reihen und setzt die Führung in Moskau unter Druck. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am Freitag auf Nachfrage von Journalisten, dass man von dem Video und Lunins Wunsch nach einer Audienz bei Putin erfahren habe. "Man muss sich das erst einmal anschauen", sagte Peskow. Öffentliche Kritik am militärischen Vorgehen wird in Russland von den Behörden normalerweise hart geahndet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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