Im von Russland besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk bleibt Kraftstoff weiter nur eingeschränkt erhältlich. Nach Angaben der Besatzungsbehörden dürfen pro Person von AI-95, AI-92 und Diesel jeweils höchstens 20 Liter ausgegeben werden.
Als Grund wurden die aktuellen Lagerbestände und die zuletzt gestiegene Nachfrage genannt. Nach Darstellung der Behörden soll es sich um eine vorübergehende Maßnahme handeln.
Bereits zuvor war auch auf der 2014 von Russland annektierten Krim die Abgabe von Benzin zeitweise begrenzt worden. Zudem hatte die russische Regierung den Export von Kerosin erstmals gestoppt; die Regelung gilt zunächst bis Ende November. Moskau begründet das mit dem Ziel, den heimischen Treibstoffmarkt zu stabilisieren.
Zusätzlich hat sich die Lage in St. Petersburg vor dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) zugespitzt. Zum Auftakt des bis Samstag geplanten Treffens warnten die Behörden Einwohner und anreisende Gäste per SMS vor Drohnengefahr und möglichen Störungen des mobilen Internets.
Der ukrainische Angriff traf eine Ölanlage beziehungsweise Raffinerie im Hafengebiet der Millionenstadt, die daraufhin in Brand geriet. Über der sonnigen Metropole stiegen schwarze Rauchwolken auf, die auch über der historischen Altstadt weithin zu sehen waren. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Aufnahmen von Feuer, Einschlägen und großen Rauchsäulen aus dem Hafenbereich.
Der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, bestätigte einen Angriff auf Infrastrukturanlagen. Mehrere Menschen seien verletzt worden, Tote habe es aber nicht gegeben. Einige Objekte seien beschädigt worden; Details zum Ausmaß der Schäden nannte er nicht. Alle Einsatzkräfte seien in erhöhter Bereitschaft. Im Umland wurden Behördenangaben zufolge außerdem vier Einfamilienhäuser leicht beschädigt.
Der Angriff kam für Kremlchef Wladimir Putin zur Unzeit. Das Wirtschaftsforum dient Russland seit Jahren als Bühne, um wirtschaftliche Handlungsfähigkeit trotz Krieg, Rüstungsbelastung und westlicher Sanktionen zu demonstrieren. Dass nun ausgerechnet am ersten Forumstag Rauch über Putins Heimatstadt stand, dürfte diese Inszenierung empfindlich stören.
Das westliche Interesse an dem Treffen ist seit Beginn des russischen Großangriffs deutlich gesunken. Der Kreml hofft in diesem Jahr jedoch wieder auf mehr Teilnehmer aus Europa und den USA. Vor Ort sind neben der amerikanischen Handelskammer auch deutsche Unternehmer. Die deutsch-russische Auslandshandelskammer richtet erstmals wieder selbst eine Veranstaltung aus. Auch Bundestagsabgeordnete der AfD nehmen teil; sie reisten gegen den Rat des Auswärtigen Amts nach Russland.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte Treffer im Hafengebiet von St. Petersburg sowie auf rein militärische Ziele im Stützpunkt Kronstadt. Die Insel vor St. Petersburg ist ein wichtiger Militärstandort und Basis der russischen Ostseeflotte.
Selenskyj sprach von einem guten Resultat der Zusammenarbeit verschiedener Drohneneinheiten und Geheimdienste. Die Ziele hätten fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt gelegen. Nach Angaben des Chefs der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, wurde dabei auch die russische Korvette Bojki in Brand gesetzt.
Trotz der sichtbaren Rauchschwaden reagierten viele Einwohner der Stadt Berichten zufolge erstaunlich gelassen. Auch Touristengruppen setzten ihre Rundgänge durch die Sehenswürdigkeiten an der Newa fort.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 354 ukrainischen Drohnen. Betroffen gewesen sein sollen demnach auch die Region um Moskau sowie das Leningrader Gebiet rund um St. Petersburg. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.
Kremlsprecher Dmitri Peskow nutzte den Angriff auf St. Petersburg, um den russischen Kriegskurs zu rechtfertigen. Sinngemäß erklärte er, Russland setze seine sogenannte militärische Spezialoperation auch deshalb fort, damit es solche Schläge künftig nicht mehr gebe. Über mögliche direkte Vergeltung entscheide das Verteidigungsministerium, sagte er weiter.
Putin sei nach Kremlangaben auch über einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Reisebus in der besetzten Region Donezk informiert worden. Nach Angaben der dortigen Besatzungsbehörden wurden dabei mindestens acht Menschen getötet und elf weitere verletzt.
Unterdessen geht man in der Bundesregierung trotz der verschärften Kämpfe davon aus, dass sich in den kommenden Monaten ein Fenster für Gespräche mit Russland öffnen könnte. Aus Regierungskreisen hieß es, die jüngsten Gefechte zeigten zwar, dass es eher um Monate als um Wochen gehe. Zugleich bemühen sich die Europäer wieder stärker, bei möglichen Kontakten über ein Ende des Kriegs eine Rolle zu spielen, nachdem die zuletzt von den USA moderierten Bemühungen ins Stocken geraten sind.
Hintergrund ist der seit Jahren andauernde russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew greift seit Monaten gezielt Teile der russischen Ölindustrie und militärisch relevante Infrastruktur an, um die Versorgung der russischen Streitkräfte mit Treibstoff zu erschweren und wichtige Einnahmen aus dem Energiesektor zu schmälern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion