Wirtschaft

Galeria rettet sich mit Millionen-Kredit

Rettung in letzter Minute? Galeria sichert sich bis zu 160 Millionen Euro – was der Mega-Kredit jetzt bedeutet.

25.06.2026, 18:00 Uhr

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat sich zur Fortsetzung ihres Sanierungskurses eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro gesichert. Eine Sprecherin bestätigte dies am Donnerstag in Düsseldorf. Nach Informationen der dpa sind zugleich weitere Filialschließungen vorgesehen.

Die Kreditlinie kommt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers und ist durch den Warenbestand von Galeria abgesichert. Die Verhandlungen hatten sich über Wochen hingezogen. Voraussetzung für die Zusage war ein von der Beratungsgesellschaft AlixPartners erstelltes Gutachten zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Zuvor hatten auch das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche über die Finanzierung berichtet.

Sanierungsplan über drei Jahre

Das frische Geld ist an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, den Galeria nun umsetzen will. Geprüft werden soll unter anderem, welche Häuser dauerhaft rentabel arbeiten. Zudem will das Unternehmen mit Vermietern über Mietsenkungen und flexiblere Vertragsbedingungen verhandeln.

Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock sagte, das gesamte Filialnetz werde auf den Prüfstand gestellt. Ziel sei, dass künftig jedes Haus wirtschaftlich tragfähig ist. Als einen Grund für die Maßnahmen nennt das Unternehmen das anhaltend schwache Konsumklima im stationären Einzelhandel.

Rund 30 Häuser gelten als besonders gefährdet

Von den derzeit 83 Warenhäusern gelten nach dpa-Informationen etwa 30 Standorte als besonders kritisch und sollen intensiver geprüft werden. Beteiligte gehen davon aus, dass Galeria in drei Jahren mit einem deutlich kleineren Filialnetz dastehen dürfte. Hellenbock schloss zugleich nicht aus, an früheren Standorten später auch wieder neue Filialen zu eröffnen.

Unklar bleibt, wie viel von der neuen Finanzierung tatsächlich für Investitionen, etwa in die Modernisierung von Filialen, verfügbar sein wird. Zunächst soll ein bestehender Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abgelöst werden. Dabei soll es sich dem Vernehmen nach um rund 80 Millionen Euro handeln.

Offene Mieten und Ware für Herbst und Winter

Zusätzlicher Finanzbedarf besteht auch wegen offener Mietzahlungen. Mehrere Vermieter hatten zuletzt beklagt, dass Mieten gar nicht oder nur teilweise eingegangen seien. Galeria begründete das mit Liquiditätsschwankungen und erklärte, man habe Vermieter um Stundungen gebeten. Nach Angaben eines Eigentümers sind offene Forderungen inzwischen beglichen, andernorts sollen jedoch noch zwei Monatsmieten ausstehen.

Zudem braucht das Unternehmen Geld, um Ware für die Herbst- und Wintersaison zu bestellen. Zuletzt hatte Galeria mit umfangreichen Rabattaktionen versucht, den Absatz anzukurbeln.

Weitere Schließungen könnten teuer werden

Sollten weitere Häuser geschlossen werden, könnten auf den Konzern erhebliche Zusatzkosten zukommen. Dazu zählen unter anderem Sozialpläne, Abfindungen für Beschäftigte und mögliche Entschädigungen an Vermieter. Bereits im März hatte Galeria angekündigt, die Mietverträge von acht Filialen neu verhandeln zu wollen. Schon damals waren Schließungen nicht ausgeschlossen worden.

Galeria beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 12.000 Menschen. Anfang 2024 hatte der Konzern zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Ein wichtiger Grund war damals auch die Schieflage des Mutterkonzerns Signa. Im Sommer 2024 wurden bereits neun Standorte geschlossen.

Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC sowie einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz. Nach Gesprächen mit Vermietern konnte die Kette ihre Mietbelastung nach eigenen Angaben deutlich senken.

Beetz sagte, nach der Kreditzusage könne es für Galeria vorerst weitergehen, die Lage bleibe jedoch angespannt. Die Rahmenbedingungen seien im vergangenen Jahr für die Warenhauskette besonders ungünstig gewesen. Nun sei zwar der kurzfristige Fortbestand gesichert, zugleich solle aber auch eine langfristige und belastbare Zukunftsperspektive geschaffen werden.

Gordon Brothers ist bei Galeria kein unbekannter Akteur: Der Investor hatte in der Vergangenheit bereits den Abverkauf in Kaufhof- und Karstadt-Filialen vor deren Schließung organisiert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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