Selenskyj schickt polnischen Orden zurück
Im Streit zwischen Polen und der Ukraine über historische Fragen hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den ihm verliehenen Orden des Weißen Adlers nach Warschau zurückgesandt. Auf X schrieb er, die Auszeichnung sei ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen. Ein solches Zeichen verlange jedoch nicht nur Verdienste, sondern auch Achtung vor den Werten, auf denen eine Gesellschaft beruhe.
Selenskyj fügte hinzu, falls die Ansicht bestehe, dass dieser Orden bei Persönlichkeiten wie Katharina II., Benito Mussolini und Gerhard Schröder verbleiben könne, habe die Ukraine dem nichts hinzuzufügen. Zugleich schlug er versöhnlichere Töne an: Die Ukraine bleibe offen für alle sinnvollen Formen der Zusammenarbeit, um widersprüchliche Deutungen der schwierigen und schmerzhaften gemeinsamen Vergangenheit nicht weiter zu verschärfen.
Auslöser ist die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, Selenskyj die Auszeichnung im Zuge des Geschichtsstreits abzuerkennen. Der ukrainische Staatschef schrieb, man sei 2023 davon ausgegangen, dass der Orden dem ukrainischen Volk und seiner Armee gegolten habe. Nun habe er ihn an den polnischen Präsidenten zurückgeschickt. Selenskyj sowie ukrainische Medien veröffentlichten dazu Bilder aus der Poststelle des Präsidialamts in Kiew, auf denen das verpackte und an Nawrocki adressierte Ordenset zu sehen ist.
Nawrocki betonte in einer Erklärung, die Aberkennung richte sich nicht gegen die ukrainische Nation und ändere nichts an der strategischen Linie der polnischen Sicherheitspolitik.
Auch Budanow und Kutschma wollen polnische Ehrungen zurückgeben
Inzwischen kündigte auch der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Kyrylo Budanow, an, eine polnische Staatsauszeichnung zurückzugeben. Bei Telegram schrieb er, er werde auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen verzichten, das ihm im vergangenen Jahr verliehen worden war. Budanow sprach von einer unfreundlichen Geste Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk und davon, dass dies Russland in die Hände spiele. Auch Außenminister Andrij Sybiha hatte bereits erklärt, eine polnische Auszeichnung zurückgeben zu wollen.
Am Abend erklärte zudem der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma nach Medienberichten, auf den Orden des Weißen Adlers zu verzichten, den er 1997 erhalten hatte. Er zeigte sich überzeugt, dass dieser „unfreundliche Schritt“ von Nawrocki die Freundschaft zwischen beiden Ländern nicht zerstören könne.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hatte Nawrocki und Selenskyj bereits am Freitag zur Zurückhaltung aufgerufen. Auf X schrieb er, der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine erfreue Wladimir Putin und schockiere die Verbündeten. Die Auseinandersetzung spitzt sich knapp eine Woche vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im polnischen Danzig weiter zu.
Streit entzündete sich an UPA-Bezug
Selenskyj hatte Polens höchste Auszeichnung im Jahr 2023 noch von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda erhalten. Damit sollte die enge Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs gegen Kiew betont werden.
Der aktuelle Konflikt begann Ende Mai, als Selenskyj einer ukrainischen Armeeeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh. In der Ukraine wird an die Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) erinnert, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die sowjetische Herrschaft leisteten. In Polen ist die UPA jedoch wegen der Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen Westukraine während des Krieges hoch umstritten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion