Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an Deutschland und weiteren Bündnispartnern erneut verschärft. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete er deren Beiträge zur Nato als "lächerlich". Damit erhöht er den Druck auf die Alliierten vor dem Treffen am 7. und 8. Juli in der Türkei.
In seinem Post nannte Trump mehrere Staaten, darunter Großbritannien und Italien, und führte dazu Finanzzahlen an. Diese erinnern an Angaben aus einem Nato-Bericht zu den Verteidigungsausgaben 2025, eine konkrete Quelle erwähnte er jedoch nicht.
Für Deutschland machte Trump keine genauen Zahlen öffentlich, behauptete aber, der deutsche Beitrag liege deutlich niedriger. Worauf er diese Einschätzung stützt, blieb offen. Nach dem Nato-Jahresbericht lag Deutschland 2025 bei den Verteidigungsausgaben allerdings auf Rang zwei. Inflationsbereinigt stiegen die deutschen Ausgaben im Vergleich zu 2024 um mehr als 20 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro.
Insgesamt verzeichneten Deutschland und die übrigen Nato-Partner der USA im Jahr 2025 einen kräftigen Anstieg ihrer Militärausgaben. Die europäischen Verbündeten sowie Kanada erhöhten ihre Ausgaben zusammen um 19,6 Prozent auf 574 Milliarden US-Dollar.
Trump knüpft an frühere Vorwürfe an
Trump bemängelt seit Jahren, dass die USA traditionell den größten Anteil an den Verteidigungsausgaben des Bündnisses tragen. Nach seiner Ansicht profitieren andere Mitglieder davon überproportional. Allerdings hat sich der Abstand zuletzt verkleinert. Beim Nato-Gipfel in Den Haag verständigten sich die Mitgliedstaaten auf Drängen Trumps darauf, ihre Investitionen in Verteidigung und Sicherheit deutlich auszuweiten. Spätestens ab 2035 sollen jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts dafür aufgewendet werden – ein Wert, der seit dem Kalten Krieg nicht mehr erreicht wurde.
Dabei ist zu beachten, dass die Nato in ihren Statistiken sämtliche Verteidigungsausgaben eines Landes erfasst. Es geht also nicht nur um Truppen oder Mittel, die direkt für Nato-Planungen bereitgestellt werden.
Zusätzlicher Ärger wegen der Straße von Hormus
In seinem Beitrag schrieb Trump außerdem, die Vereinigten Staaten gäben mit großem Abstand mehr Geld für die Nato aus als jedes andere Mitglied, um das Bündnis zu schützen, "ohne selbst einen Nutzen daraus zu ziehen". Schon zuletzt hatte er sich verärgert über europäische Nato-Staaten, darunter auch Deutschland, gezeigt. Hintergrund war seine Forderung nach Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus während des Iran-Kriegs, auf die nach seiner Darstellung keine Hilfe folgte. In diesem Zusammenhang beschimpfte Trump Verbündete sogar als "Feiglinge".
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber