Politik

Aigner mahnt: Srebrenicas Opfer nie vergessen

Noch vor dem Präsidententreffen erlebt Aigner in Bosnien einen bewegenden Moment, der die Reise unerwartet prägt.

02.07.2026, 14:28 Uhr

Aigner erinnert in Srebrenica an Opfer und spricht in Sarajevo über Bosniens EU-Kurs

Bei ihrer Reise nach Bosnien-Herzegowina ist Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) in Sarajevo von Staatspräsident Denis Becirovic empfangen worden. Nach dem Gespräch berichtete Aigner, Becirovic habe das große Interesse seines Landes an der Europäischen Union sowie an engeren Verbindungen zur Nato bekräftigt. Zugleich sei Bosnien-Herzegowina aber auch ein Brennglas für Einflussnahme durch Kräfte aus Russland und China, sagte sie.

Zuvor hatte Aigner in Srebrenica an die Opfer des dort verübten Völkermords erinnert. Gemeinsam mit dem Präsidium des Bayerischen Landtags besuchte sie die Gedenkstätte für die mehr als 8.000 Getöteten und legte einen Kranz nieder.

Massaker von Srebrenica

Im Austausch mit dem Leiter der Gedenkstätte, Emir Suljagic, sowie mit Munira Subasic, der Präsidentin des Vereins Mütter von Srebrenica, sagte Aigner, das Geschehen von Srebrenica lasse sich wohl nie ganz ermessen. Zugleich betonte sie die besondere Bedeutung solcher Orte des Erinnerns – auch mit Blick auf die eigenen Erfahrungen in Deutschland mit Gedenkkultur.

Im Juli 1995 töteten bosnisch-serbische Truppen in Srebrenica im Osten des Landes mehr als 8.000 Menschen, überwiegend muslimische Männer und männliche Jugendliche. Internationale Gerichte haben die Verbrechen später als Völkermord anerkannt. Das Massaker gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Gespräche in Sarajevo

Aigner und das Landtagspräsidium sind für drei Tage in Bosnien-Herzegowina. Zu den zentralen Stationen der Reise zählte das Treffen mit Staatspräsident Becirovic in der Hauptstadt Sarajevo.

Bereits zum Auftakt des Besuchs hatte Aigner am Mittwoch den früheren Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt (CSU), getroffen. Schmidt hatte das internationale Amt seit 2021 ausgeübt. Nachdem er im Mai unter Druck aus den USA seinen Rückzug angekündigt hatte, ist er seit dem 1. Juli nicht mehr im Dienst.

EU-Beitritt nur mit weiteren Reformen

Bosnien-Herzegowina besitzt seit 2022 den Status eines EU-Beitrittskandidaten. 2024 beschloss der Europäische Rat die Aufnahme offizieller Beitrittsverhandlungen. Für weitere Fortschritte muss das Land jedoch noch tiefgreifende Reformen umsetzen – vor allem in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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