Politik

Taiwan warnt: KI-Hacker griffen Behörden an

KI statt Kriminelle? Bei Taiwans rätselhaftem Cyberangriff agierten autonome Agenten offenbar wie ein eingespieltes Hackerteam.

13.08.2026, 15:59 Uhr

Taiwan hat einen aus dem Ausland gesteuerten Cyberangriff auf staatliche Einrichtungen bestätigt, bei dem nach Angaben der Behörden auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kam. Das Digitalministerium erklärte, die Cyberüberwachung habe den „ungewöhnlichen Angriff“ im Juli entdeckt. Seit dem 20. Juli seien Warnmeldungen verschickt sowie Ermittlungen und Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.

Den Angaben zufolge kombinierten die Angreifer klassische manuelle Methoden mit KI-Agenten wie Open Claw. Welche Behörden genau betroffen waren und ob Informationen abgeflossen sind, ließ das Ministerium offen. Auch ein möglicher Bezug zu China, dem Taiwan regelmäßig Hackerattacken zuschreibt, wurde nicht genannt. Die betroffenen Stellen hätten ihre Schutzmaßnahmen inzwischen abgeschlossen.

KI-Agenten agierten wie ein eingespieltes Hackerteam

Bereits einen Tag zuvor hatte die britische Financial Times unter Berufung auf das israelische Cybersicherheitsunternehmen Dream über eine neuartige Attacke berichtet, hinter der mutmaßlich mit China verbundene Hacker stehen könnten. Nach Einschätzung von Dream setzten die Angreifer frei verfügbare KI-Agenten zu einem weitgehend autonomen System zusammen, das wie ein koordiniert arbeitendes Hackerteam agierte.

Demnach seien Anfang Juli über einen Zeitraum von vier Tagen zeitweise bis zu acht KI-Agenten parallel eingesetzt worden. Diese hätten 21 Netzwerke staatlicher Einrichtungen analysiert, nach Sicherheitslücken gesucht und ihre Taktik angepasst, sobald sie auf Hindernisse stießen. Mindestens 85 Regierungskonten sollen kompromittiert und mehr als 2.500 Datensätze von Beschäftigten entwendet worden sein. Laut Bericht richtete sich der Angriff zudem gegen Taiwans Atomaufsicht sowie gegen mindestens sieben Unternehmen aus dem Energiesektor.

Hinweise auf mögliche Verbindungen nach China

Dream ordnete den Vorfall keiner konkreten Hackergruppe zu. Allerdings deute die Verwendung vereinfachter chinesischer Schriftzeichen in der internen Kommunikation nach Ansicht der Forscher mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Akteure mit Verbindungen zur Volksrepublik hin.

China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und schließt eine Vereinigung mit dem Festland notfalls auch mit militärischen Mitteln nicht aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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