Trotz Trockenheit gute Erwartungen für den Weinjahrgang
Der Deutsche Weinbauverband (DWV) rechnet trotz der anhaltenden Dürre mit einem guten Weinjahrgang. DWV-Präsident Klaus Schneider sagte bei einer Pressekonferenz im hessischen Oestrich-Winkel, er gehe von einem qualitativ hervorragenden Jahrgang aus. Wegen der geringen Niederschläge könnte die produzierte Menge allerdings niedriger ausfallen.
Auch der Rheingauer Winzer Matthias Corvers bewertete die geschmackliche Entwicklung der Trauben bislang positiv. Für die weitere Reife sei nun jedoch dringend etwas Regen nötig, der den Beeren einen zusätzlichen Schub gebe. Zugleich dürfe der Niederschlag nicht so stark ausfallen, dass die Trauben aufplatzen.
Weinbaubranche steht unter Druck
Nach Angaben Schneiders sieht sich die Weinwirtschaft nicht nur mit klimatischen Extremen konfrontiert. Auch ein schwächerer Weinmarkt, Schädlinge und neue regulatorische Anforderungen belasteten die Betriebe. Um die Branche zu stärken, brauche es vor allem weniger Bürokratie und finanzielle Entlastungen, etwa durch Anpassungen beim Mindestlohn.
Kritisch bewertet der Verband zudem mögliche Erhöhungen bei der Schaumwein- und Erbschaftsteuer. Solche Schritte würden die Betriebe zusätzlich belasten. Schneider sprach sich außerdem gegen eine Renationalisierung des Weinbausektors aus. Die gemeinsame Agrarpolitik müsse aus Sicht des DWV auf EU-Ebene verankert bleiben.
Verband fordert Stopp neuer Rebflächen
Mit Blick auf die angespannte Marktlage fordert der DWV einen weitgehenden Anbaustopp für neue Weinreben in den Jahren 2027 bis 2029. Nur wenige Ausnahmen solle es geben. Ziel sei es, das Produktionspotenzial angesichts der aktuellen Marktsituation zu steuern und dem Weinsektor langfristig Perspektiven zu geben.
Nach Zahlen des Deutschen Weininstituts war die gesamte Rebfläche in Deutschland im Jahr 2025 bereits um ein Prozent zurückgegangen.
Positiv bewertet der Verband die Möglichkeit der Krisendestillation. Bereits im Juli war bekannt geworden, dass die EU die Destillation von Rot- und Roséweinen aus Rheinhessen und Württemberg finanziell unterstützt, um den angespannten Markt zu entlasten. Dafür stellt die EU insgesamt 14,16 Millionen Euro bereit. Gefördert werden kann damit eine Höchstmenge von rund 24 Millionen Litern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber