Wirtschaft

Dürre-Alarm: Bauern dürfen Brachen mähen

Noch können Bauern Futter zukaufen – doch hält die Dürre an, droht im Herbst ein drastischer Schritt auf vielen Höfen.

13.08.2026, 14:33 Uhr

Die anhaltende Trockenheit führt bei vielen Landwirten in Bayern zu Engpässen beim Tierfutter. Besonders betroffen sind nach Angaben des Bauernverbands Franken, Niederbayern und die Oberpfalz. Das Landwirtschaftsministerium reagiert nun und gibt zusätzliche Flächen für die Futtergewinnung frei.

Der Bauernverband beschreibt die Lage als sehr belastend. Noch gebe es aber Möglichkeiten, Futterreserven aufzubauen – etwa durch Zukäufe, das Häckseln von Körnermais oder einen höheren Einsatz von Stroh. Allerdings verteuern sich gerade beim Zukauf die Transporte, auch weil das Niedrigwasser auf den Flüssen die Logistik erschwert.

Betriebe denken über kleinere Bestände nach

Vor diesem Hintergrund prüfen manche Betriebe offenbar bereits, welche Maßnahmen wirtschaftlich noch tragbar sind. Dazu könne auch gehören, den Tierbestand zu verkleinern. Sollte in den nächsten Wochen Regen fallen, könnte sich die Situation auf Grünland und beim Ackerfutter wieder etwas entspannen. Bleibt die Trockenheit bestehen, dürften zusätzliche Schlachtungen im Herbst wahrscheinlicher werden. Schon jetzt zeichnet sich im Vergleich zum Vorjahr ein leicht höheres Angebot an Schlachtrindern ab.

Auch das Landwirtschaftsministerium beobachtet nach eigenen Angaben derzeit eine leicht erhöhte Abgabebereitschaft bei Kühen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ob und in welchem Umfang die aktuelle Futtersituation oder andere Faktoren wie niedrige Milchpreise Auswirkungen auf die Tierbestände in Bayern haben, lasse sich derzeit aber noch nicht verlässlich abschätzen.

Zusätzliche Flächen nutzbar

Um die Folgen der Dürre abzufedern, dürfen Bauern in Bayern nach Angaben des Ministeriums nun auch freiwillig stillgelegte Brachen für die Futtermittelgewinnung verwenden. Diese Flächen bleiben normalerweise im Rahmen von Förderprogrammen für den Naturschutz ungenutzt.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erklärte, in Zeiten knapper Futtervorräte müsse den Betrieben jeder vertretbare Spielraum eröffnet werden. Deshalb werde es erleichtert, vorhandenen Aufwuchs tatsächlich als Tierfutter zu nutzen.

Wer in der aktuellen Ausnahmesituation auf Fördergelder verzichtet, soll die entsprechenden Flächen für die Versorgung seiner Tiere einsetzen können. Dort, wo sich Nutzung und Förderung verbinden lassen, soll auch das ermöglicht werden. Als Beispiel nennt das Ministerium sogenannte Feldvogelinseln: Werden diese erst nach dem 15. August gemäht, kann die Förderung bestehen bleiben. Vor einer Nutzung sollen Landwirte jedoch Rücksprache mit ihrem zuständigen Amt für Landwirtschaft halten.

Erleichterungen auch für Öko-Betriebe

Zusätzlich dürfen Bio-Betriebe ab sofort auch Flächen mit Gründüngung sowie Maisbestände, die eigentlich für die Körnermaisernte vorgesehen waren, als Silomais nutzen. Voraussetzung ist auch hier eine vorherige Mitteilung an das zuständige Landwirtschaftsamt. Bereits in der vergangenen Woche waren dafür erste Lockerungen beschlossen worden.

Kaniber betonte, die Bäuerinnen und Bauern könnten das Wetter zwar nicht beeinflussen, die Politik wolle ihnen aber praktikable Hilfen in dieser schwierigen Lage geben. Entscheidend sei nun, möglichst viel verfügbares Futter dorthin zu bringen, wo es gebraucht werde – zu den Tieren auf den Höfen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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