Studienplatzvergabe: NC verliert in Deutschland weiter an Gewicht
Ein sehr gutes Abitur ist bei der Vergabe von Studienplätzen in Deutschland zunehmend weniger entscheidend. Nach einer Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) werden zum kommenden Wintersemester nur noch 31,6 Prozent der Studienangebote mit Zugangshürden wie einem Numerus Clausus (NC) oder einem Eignungstest vergeben. Vor sechs Jahren lag dieser Anteil noch bei mehr als 40 Prozent. Seitdem geht er stetig zurück.
Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil zulassungsbeschränkter Angebote laut CHE erneut gesunken, und zwar um 0,9 Prozentpunkte. Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den Bachelorstudiengängen: Hier sind im nächsten Wintersemester nur noch 28,7 Prozent der Angebote beschränkt. Vor zehn Jahren war mit 47,6 Prozent noch beinahe jeder zweite Bachelorstudiengang nicht frei zugänglich.
Mehr Studiengänge, weniger Hürden
CHE-Experte Cort-Denis Hachmeister bewertet die Entwicklung positiv. Die Aussichten, an der gewünschten Hochschule den bevorzugten Studiengang zu bekommen, seien derzeit so gut wie selten zuvor. Während früher häufig sinkende Zahlen bei den Studienanfängern als Ursache genannt wurden, greife diese Erklärung heute laut Hachmeister kaum noch. Denn zuletzt seien die Anfängerzahlen wieder gestiegen.
Als mögliche Gründe nennt das CHE die wachsende Zahl an Studienangeboten. Zudem könnten viele Hochschulen bestehende Zulassungsbeschränkungen überprüft und dort abgeschafft haben, wo sie nicht mehr nötig erschienen.
Deutliche Unterschiede je nach Region und Fach
Wie oft ein NC verlangt wird, hängt stark vom Standort der Hochschule und vom Studienfach ab. Besonders in Großstädten stoßen Bewerberinnen und Bewerber häufiger auf Zugangsbeschränkungen.
Im Vergleich der Bundesländer ist die Situation in Berlin am restriktivsten: Dort ist mehr als jedes zweite Studienangebot zulassungsbeschränkt. Auch Baden-Württemberg weist mit 46,2 Prozent einen hohen Anteil auf, gefolgt vom Saarland mit 44,1 Prozent sowie Bremen. Deutlich offener ist der Zugang dagegen in Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Dort ist weniger als jedes fünfte Angebot beschränkt.
Auch zwischen den Fächergruppen gibt es spürbare Unterschiede. In den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften ist der Anteil zulassungsbeschränkter Studienangebote mit 36,2 Prozent vergleichsweise hoch. Weniger häufig spielen NCs in den Ingenieurwissenschaften mit 24,3 Prozent sowie in Mathematik und Naturwissenschaften mit 28,1 Prozent eine Rolle. In den Sprach- und Kulturwissenschaften ist sogar weniger als ein Fünftel der Studienangebote beschränkt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber