Politik

Umfrage: Was Lehrkräfte im Job am meisten belastet

Lustlos, aggressiv, unkonzentriert: Schülerverhalten wird für Lehrkräfte zum Alarmzeichen. Was wirklich dahintersteckt

23.06.2026, 05:00 Uhr

Umfrage: Verhalten von Schülerinnen und Schülern belastet Lehrkräfte zunehmend

Für viele Lehrkräfte in Deutschland wird der Umgang mit dem Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler immer mehr zur größten beruflichen Herausforderung. Das zeigt das aktuelle Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung. Demnach nennen inzwischen 46 Prozent der befragten Lehrkräfte das Verhalten in der Schülerschaft als wichtigste Belastung. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 35 Prozent.

An zweiter Stelle der Belastungsfaktoren steht die große Unterschiedlichkeit der Lernstände und Leistungen in den Klassen. 34 Prozent der Befragten empfinden diese Heterogenität als besonders anstrengend. Danach folgen hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck, die 27 Prozent nennen.

Unterschiede je nach Schulform

Wie stark Lehrkräfte belastet sind, hängt auch von der Schulart ab. Besonders häufig berichten Beschäftigte an Haupt-, Real-, Gesamt- und Berufsschulen von Problemen mit dem Verhalten der Schülerinnen und Schüler. An Grundschulen und Gymnasien wird dies seltener als Hauptbelastung genannt.

In der Erhebung werden unter anderem fehlende Motivation, geringe Lernbereitschaft, psychische Belastungen, aggressives Verhalten und Konzentrationsschwierigkeiten als Ursachen genannt. Fachleute aus der Praxis verweisen außerdem auf den Einfluss von sozialen Medien.

Nach Einschätzung der Robert Bosch Stiftung decken sich diese Beobachtungen mit den Erfahrungen junger Menschen selbst. Bereits ein im März veröffentlichtes Schulbarometer unter Schülerinnen und Schülern hatte gezeigt, dass die psychischen Belastungen zugenommen haben. Laut Bildungsexpertin Katharina Thoren könne sich das unmittelbar auf das Verhalten im Schulalltag auswirken. Auch internationale Krisen und Kriege könnten dabei eine Rolle spielen.

Hohe Zufriedenheit trotz wachsender Probleme

Trotz der schwierigen Lage geht die große Mehrheit der Lehrkräfte weiterhin gern ihrer Arbeit nach. Laut Umfrage sind 83 Prozent mit ihrem Beruf zufrieden.

Gleichzeitig sehen viele Defizite bei der eigenen Vorbereitung auf die heutigen Anforderungen. 47 Prozent wünschen sich Fortbildungen für den Umgang mit psychisch belasteten Schülerinnen und Schülern. Noch deutlich mehr, nämlich 82 Prozent, möchten besser darauf vorbereitet werden, wie sie Fähigkeiten wie Empathie, Teamarbeit, Selbstständigkeit und kritisches Denken fördern können.

Stiftung fordert mehr Fachpersonal an Schulen

Aus Sicht von Katharina Thoren reichen zusätzliche Fortbildungen allein jedoch nicht aus. Schulen bräuchten dringend multiprofessionelle Teams. Dazu gehörten etwa Sozialarbeiter, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie IT-Fachkräfte. So könnten Lehrkräfte wieder stärker ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen: gutem Unterricht.

Das Deutsche Schulbarometer wird seit 2019 regelmäßig im Auftrag der Robert Bosch Stiftung erhoben. Für die aktuelle Ausgabe befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 11. November und dem 2. Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Die Ergebnisse haben eine Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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