Politik

Renten-Hammer aus Schweden: Vorbild für Deutschland?

Rente nach Schweden-Vorbild? Dort müssen Beschäftigte an die Börse – was das Modell bringt und welche Risiken drohen.

23.06.2026, 04:35 Uhr

Schwedens Rentenmodell: Kapitalmarkt als fester Baustein

Schweden setzt seit Jahren darauf, Teile der Altersvorsorge am Kapitalmarkt anzulegen. In Deutschland schlägt die Rentenkommission der Bundesregierung nun ebenfalls eine zusätzliche kapitalgedeckte Säule vor: Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern sollen zentral verwaltet und investiert werden – orientiert am schwedischen Modell. Ein Blick nach Norden zeigt, wie dieses System funktioniert.

So ist die Rente in Schweden aufgebaut

Das schwedische System sieht vor, dass ein Teil des Einkommens verpflichtend investiert wird. Grundlage dafür ist die sogenannte Prämienrente. Von insgesamt 18,5 Prozent Rentenbeitrag fließen 16 Prozent in eine klassische umlagefinanzierte Altersvorsorge, ähnlich wie in Deutschland. Die restlichen 2,5 Prozent werden am Kapitalmarkt über Fonds angelegt.

Versicherte können selbst auswählen, in welche Fonds ihr Geld fließt. Wer keine Entscheidung trifft – was häufig vorkommt – landet automatisch im staatlichen Standardfonds. Daneben gibt es zahlreiche weitere zugelassene Fonds, zwischen denen gewählt werden kann.

Welche Erfahrungen hat Schweden damit gemacht?

Trotz zwischenzeitlicher Verluste, etwa während der Finanzkrise, hat sich besonders der staatliche Fonds AP7 Såfa langfristig für viele Sparer ausgezahlt. Der Fonds investiert weltweit, arbeitet auch mit Derivaten und gilt als vergleichsweise kostengünstig.

In jungen Jahren wird das angesparte Geld dort vor allem in Aktien investiert. Mit zunehmendem Alter wird das Portfolio schrittweise defensiver ausgerichtet, indem der Anteil festverzinslicher Anlagen steigt. Eine breite Grundsatzdebatte über die Risiken solcher Kapitalmarktanlagen gibt es in Schweden bislang kaum – auch, weil das Vertrauen in staatliche Lösungen dort vergleichsweise hoch ist.

Weitere Unterschiede zum deutschen System

Nicht alle Elemente des schwedischen Modells stehen in Deutschland zur Diskussion. Dazu gehört etwa der sehr flexible Renteneintritt. Ein festes gesetzliches Rentenalter wie in Deutschland gibt es in Schweden nicht. Stattdessen können Menschen ab einem bestimmten Mindestalter selbst entscheiden, wann sie in den Ruhestand gehen.

Für die Jahrgänge ab 1963 liegt dieser frühestmögliche Zeitpunkt derzeit bei 64 Jahren. Da die Grenze an die Lebenserwartung gekoppelt ist, dürfte sie künftig weiter steigen. Grundsätzlich gilt: Wer länger arbeitet und mehr verdient, erhält in der Regel auch eine höhere Rente.

Ein weiterer Unterschied: In Schweden zahlen alle Erwerbstätigen in das Rentensystem ein. Das betrifft nicht nur Selbstständige – was auch in Deutschland diskutiert wird –, sondern ebenso Beamte. Einen solchen Schritt empfiehlt die deutsche Rentenkommission bislang jedoch nicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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