Politik

Spahn-Nachfolge: Diese Namen überraschen

Spahn weg – und jetzt wird’s brisant: Merz will die Nachfolge schnell klären, doch in den nächsten Tagen könnte viel mehr kippen.

19.07.2026, 12:23 Uhr

Merz drängt auf schnelle Entscheidung nach Spahns Rücktritt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will nach dem Rückzug von Jens Spahn als Vorsitzender der Unionsfraktion zügig Klarheit schaffen. Eine längere Hängepartie soll es nach seinem Willen nicht geben. Gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder wolle er bald einen Vorschlag für die Nachfolge vorlegen.

Im ZDF-Sommerinterview deutete Merz zudem an, dass der Wechsel an der Spitze der Fraktion weitere personelle Folgen haben könnte. Es könne eine Gelegenheit sein, die Aufstellung der Bundesregierung noch einmal insgesamt zu überdenken.

Diese Namen werden als mögliche Nachfolger gehandelt

Thorsten Frei, 52, Chef des Bundeskanzleramts (CDU)

Als aussichtsreichster Kandidat gilt derzeit Kanzleramtschef Thorsten Frei. Der enge Vertraute von Merz war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion und ist daher mit den Abläufen und Anforderungen an der Fraktionsspitze bestens vertraut.

Schon nach der Bundestagswahl 2025 war Frei für den Vorsitz im Gespräch. Damals entschied sich Merz jedoch dafür, ihn ins Kanzleramt zu holen. Dort konnte er sich bislang offenbar nur schwer durchsetzen. Innerhalb der Union gibt es Kritik, Frei kümmere sich zu sehr um öffentliche Auftritte und zu wenig um die Koordinierung der Koalitionsarbeit.

Viele in der Partei halten die Fraktionsführung deshalb für passender. Mit Frei hätte Merz dort einen loyalen Verbündeten, während im Kanzleramt zugleich Raum für einen personellen Neustart entstünde. Der Rücktritt Spahns könnte so auch genutzt werden, um nach inhaltlichen Reformbeschlüssen neue personelle Impulse zu setzen und die Koalition aus ihrem Stimmungstief zu holen.

Carsten Linnemann, 48, CDU-Generalsekretär

Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wird genannt. In der Parteizentrale führt er zwar die organisatorischen Geschäfte, politisch stand er bislang jedoch meist im Schatten von Parteichef Merz. Der Fraktionsvorsitz könnte für ihn eine neue Bühne eröffnen.

Allerdings gibt es Vorbehalte in der Partei. Einige haben ihm nicht verziehen, dass er nach der Bundestagswahl keinen Ministerposten übernehmen wollte, weil ihm der Zuschnitt des Wirtschaftsministeriums zu klein war. Deshalb werden ihm allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt.

Unklar ist außerdem, ob Linnemann selbst überhaupt an einem Wechsel interessiert wäre. Als Generalsekretär stehen ihm ohnehin schwierige Monate bevor: Bei den drei Landtagswahlen im September drohen der Union im schlechtesten Fall der Verlust von zwei Ministerpräsidentenposten in Berlin und Sachsen-Anhalt. Das könnte innerparteilich für erhebliche Unruhe sorgen.

Alexander Dobrindt, 56, Bundesinnenminister (CSU)

Alexander Dobrindt zählt derzeit zu den profiliertesten und nach Einschätzung vieler erfolgreichsten Köpfen im schwarz-roten Kabinett. In der Migrationspolitik hat er dafür gesorgt, dass die AfD hier deutlich weniger Angriffsfläche findet. Zudem gilt er als jemand, der die verschiedenen Partner der Koalition besonders gut zusammenhalten kann.

Durch seine langjährige Rolle als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe bringt er viel Erfahrung in der Fraktionsarbeit mit und galt dort schon fast als eine Art Neben-Fraktionschef. Dennoch spricht gerade seine erfolgreiche Arbeit im Innenministerium eher gegen einen Wechsel. In seiner jetzigen Funktion ist Dobrindt eine zentrale Machtfigur im Kabinett – direkt hinter Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil von der SPD. Als führender CSU-Minister kann er von dort aus großen Einfluss auf das Zusammenspiel der Koalition ausüben.

Günter Krings, 56, stellvertretender Fraktionsvorsitzender (CDU)

Unter den Stellvertretern von Jens Spahn taucht vor allem Günter Krings in den Spekulationen auf. Er verantwortet in der Fraktion die Bereiche Inneres, Recht und Verbraucherschutz und steht zudem an der Spitze der einflussreichen nordrhein-westfälischen Landesgruppe.

Bereits im vergangenen Jahr wollte Merz ihn an die Spitze der Konrad-Adenauer-Stiftung bringen. Damals unterlag Krings jedoch in einer Kampfabstimmung Annegret Kramp-Karrenbauer. Deshalb heißt es in der Union nun, der Kanzler sei ihm gewissermaßen noch etwas schuldig.

Als wahrscheinlicher gilt allerdings nicht der Fraktionsvorsitz, sondern eher das Amt des Kanzleramtschefs – für den Fall, dass Frei in die Fraktion zurückkehrt. Krings gilt als jemand, der weniger die Öffentlichkeit sucht und eher im Hintergrund die Fäden ziehen würde.

Nina Warken, 47, Bundesgesundheitsministerin (CDU)

Bei den diskutierten Namen fällt auf, dass Frauen in der Union bislang kaum eine Rolle spielen. Eine Ausnahme ist Gesundheitsministerin Nina Warken. Sie wird zumindest vereinzelt als mögliche Kandidatin genannt und ist die einzige Unionsfrau, die in den laufenden Personalspekulationen regelmäßig auftaucht.

Warken hat zuletzt die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen, vor sich hat sie jedoch noch die Pflegereform, zu der bislang erst ein Referentenentwurf vorliegt. Angesichts dieser Aufgaben sowie der starken männlichen Konkurrenz erscheint ein Wechsel an die Fraktionsspitze derzeit eher unwahrscheinlich.

Merz verwies im ZDF-Interview darauf, dass mit Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bereits eine Unionsfrau ein herausragendes Amt innehabe und der Frauenanteil in Führungspositionen der Union verbessert worden sei. Zugleich betonte er, er wolle dies weiter voranbringen. Auffällig bleibt jedoch, dass seine engsten Mitarbeiter im Kanzleramt allesamt Männer sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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