Politik

Hubers Warnung: CSU muss sich wandeln

Zum 80. legt Ex-CSU-Chef Erwin Huber noch mal nach: Deutliche Worte zur CSU – und ein brisanter Appell.

19.07.2026, 04:00 Uhr

Der frühere CSU-Vorsitzende und langjährige Staatsminister Erwin Huber dringt auf eine breitere personelle und thematische Aufstellung seiner Partei. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der bald 80-Jährige, eine moderne Volkspartei müsse vielfältiger werden. Zugleich warnte er deutlich vor Populismus und davor, Deutschland schlechtzureden. Wer das tue, spiele aus seiner Sicht vor allem den politischen Rändern in die Hände. Außerdem sprach sich Huber für Landtagspräsidentin Ilse Aigner als mögliche künftige Bundespräsidentin aus.

Huber fordert mehr Teamgeist in der CSU

Nach Hubers Worten funktionierte die CSU früher wie eine starke Fußballmannschaft. Politik sei Teamarbeit, betonte er. Damals hätten führende Köpfe der Partei jeweils unterschiedliche Themenfelder repräsentiert – von Sozialpolitik über Wirtschaft bis hin zum Umweltschutz. Genau diese Vielfalt müsse wieder stärker werden, gerade weil die Herausforderungen heute komplizierter seien und die Gesellschaft tiefer gespalten wirke als früher.

CSU-Chef Markus Söder habe in der Partei zwar großen Einfluss und das letzte Wort, sagte Huber. Dennoch müsse das "spielende Team" größer werden. Wenn mehr Personen Verantwortung übernähmen und unterschiedliche Perspektiven einbrächten, steige auch die Qualität politischer Entscheidungen.

Gleichzeitig zeigte Huber Verständnis dafür, dass Spitzenpolitiker heute unter schwierigeren Bedingungen arbeiten als früher. Globalisierung, technologische Umbrüche, Digitalisierung und soziale Medien hätten den politischen Alltag komplexer gemacht. Der hohe Zeitdruck führe oft zu schnellen Entscheidungen, die nicht immer ausreichend durchdacht seien.

Warnung vor Populismus und kurzfristiger Politik

Besonders kritisch äußerte sich Huber zum politischen Populismus. Er erinnerte an ein häufig zitiertes Wort von Franz Josef Strauß, wonach man "dem Volk aufs Maul schauen" müsse. Viele würden allerdings den zweiten Teil des Satzes ausblenden: nämlich, dass man den Menschen nicht einfach nach dem Mund reden solle. Genau dieser Gedanke komme nach Hubers Ansicht heute in der Politik zu kurz.

Er beklagte zudem, dass vieles zu sprunghaft und zu sehr auf kurzfristige Wirkung angelegt sei. Das untergrabe Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Politik müsse sich wieder stärker an langfristigen Zielen orientieren. Positiv hob Huber dabei Söders Technologie- und Raumfahrtpolitik hervor. Auch bei künstlicher Intelligenz und Digitalisierung habe der CSU-Chef aus seiner Sicht den richtigen Instinkt.

Huber wirbt für Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Mit Blick auf das höchste Staatsamt brachte Huber Ilse Aigner ins Spiel. Er traut der Landtagspräsidentin zu, dem Amt gut zu stehen. Ihre persönliche Art und ihr Auftreten könnten für Deutschland ein Gewinn sein, sagte er. Zwar wolle er sie nicht einfach mit früheren Bundespräsidenten wie Richard von Weizsäcker, Joachim Gauck oder Roman Herzog vergleichen. Doch in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft seien andere Stärken gefragt.

Gerade hier sehe er Aigners besondere Fähigkeit: Menschen zusammenzubringen. In einer Zeit wachsender Spannungen könne genau dieses Talent für Deutschland besonders wertvoll sein. Zu ihren Aussichten sagte Huber mit Blick auf die Union: Wenn die CDU klug sei, dann entscheide sie sich für Ilse Aigner.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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