Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) fordert einen stärkeren Schutz für Prostituierte und spricht sich dafür aus, künftig verstärkt die Freier zu bestrafen. Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte sie, Deutschland brauche ein neues Schutzkonzept, weil die bisherigen Vorschriften zum Schutz von Frauen vor sexueller Ausbeutung nicht ausreichten. Es dürfe nicht ohne Folgen bleiben, wenn Frauen ausgenutzt und ausgebeutet würden.
Scharf unterstützt das sogenannte Nordische Modell. Dieses sieht vor, Freier zu sanktionieren und Bordelle zu schließen, um gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution vorzugehen. Kritiker befürchten allerdings, dass dadurch noch mehr Prostituierte in die Illegalität gedrängt werden könnten. Das Modell, das zunächst in Schweden eingeführt wurde, stellt den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe, während der Verkauf von Sex straffrei bleibt. Gleichzeitig sollen Betroffene Unterstützung erhalten, um sich beruflich neu zu orientieren.
Rund 4.800 Prostituierte in Bayern
Nach Scharfs Ansicht muss Deutschland beim Schutz von Prostituierten nachbessern. Sie plädiert für ein neues Modell, das sowohl die Erfahrungen mit dem bisherigen Gesetz als auch Beispiele aus anderen Ländern berücksichtigt.
Unterdessen ist die Zahl der offiziell registrierten Prostituierten in Bayern zuletzt leicht gestiegen. Nach Angaben des Landesamts für Statistik waren Ende Dezember 2025 im Freistaat 4.826 Personen im Prostitutionsgewerbe gemeldet. Zudem waren 368 entsprechende Betriebe registriert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das bei den Prostituierten einem Anstieg von 1,4 Prozent. Laut Statistik besaßen 86,4 Prozent der angemeldeten Personen keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber