Prozess nach Bauschaum-Attacken auf Hunderte Autos gestartet
Vier junge Beschuldigte müssen sich nach einer Serie von Angriffen auf Fahrzeuge in mehreren Bundesländern vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Ulm wirft den drei Männern und einer Frau im Alter von 18 bis 21 Jahren gemeinschaftliche Sachbeschädigung vor. Einer der Angeklagten hat sich bereits zu den Vorwürfen eingelassen. Zum Auftakt des Verfahrens sollen nach Angaben des Amtsgerichts zwei Zeugen vernommen werden.
Nach Darstellung der Anklage soll die Gruppe zwischen dem 8. und 11. Dezember 2024 in Blaubeuren, Langenau, Ulm, Neu-Ulm, Schönefeld in Brandenburg sowie in Berlin zahlreiche Autos beschädigt haben. Der Schaden wird auf mehr als 13.000 Euro geschätzt. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Bauschaum in Auspuffrohre gefüllt zu haben. Für die Fahrzeughalter bedeutete das erheblichen Ärger, weil ausgehärteter Montageschaum nur schwer zu entfernen ist. Außerdem sollen Aufkleber mit der Aufschrift „SEI GRÜNER!“ und einem Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck an den Autos angebracht worden sein.
Verdacht auf politische Einflussnahme
Aus Sicht der Ermittler ging es nicht nur um einfache Sachbeschädigung. Die Staatsanwaltschaft vermutet vielmehr, dass hinter den Aktionen der Versuch stand, Einfluss auf die Bundestagswahl 2025 zu nehmen. Demnach sollen die vier Angeklagten von einem Auftraggeber gezielt zu den Taten angestiftet worden sein. Als Bezahlung seien ihnen 100 Euro pro beschädigtem Fahrzeug zugesagt worden.
Der Verfassungsschutz warnt seit geraumer Zeit davor, dass russische Nachrichtendienste in Deutschland sogenannte Wegwerfagenten für Spionage- und Sabotageakte anwerben. Sicherheitsbehörden ordnen solche Vorkommnisse der hybriden Bedrohungslage zu, der Deutschland insbesondere seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgesetzt ist.
Die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Hintermänner der Bauschaum-Aktionen wurden inzwischen eingestellt. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft hatte ein Verdächtiger erklärt, die Taten seien von einem vermutlich serbischen Staatsangehörigen aus Russland in Auftrag gegeben worden. Wer diese Person ist, konnte bislang jedoch nicht geklärt werden.
Drei Beschuldigte nicht in Haft
Laut Anklagebehörde hat ein 19-jähriger Angeklagter, der wegen eines anderen Falls in Untersuchungshaft sitzt, Angaben gemacht und dabei auch die Mitbeschuldigten belastet. Die übrigen drei Angeklagten bestritten die Vorwürfe oder machten von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Sie sind derzeit auf freiem Fuß.
Bei den drei Männern handelt es sich den Angaben zufolge um einen bosnisch-herzegowinischen Staatsangehörigen aus dem Landkreis Günzburg, einen Deutschen aus Ulm sowie einen Mann mit serbischer und kroatischer Staatsangehörigkeit, der inzwischen in Neu-Ulm lebt. Die angeklagte Frau ist 20 Jahre alt, rumänische Staatsbürgerin und wohnt im Alb-Donau-Kreis. Das Verfahren gegen einen 29-jährigen Mann aus derselben Region wurde eingestellt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber