Wohnungsbau in Bayern stockt trotz Milliardenförderung
Nach Einschätzung der bayerischen Bauindustrie und des Verbands der Wohnungsunternehmen (VdW) kommt der Wohnungsneubau im Freistaat trotz staatlicher Hilfen in Rekordhöhe nicht voran. Beide Organisationen verlangen deshalb in einem Zehn-Punkte-Plan deutlich einfachere Regeln und schnellere Abläufe in den Behörden, damit Bauen wieder günstiger wird. Vorgestellt wurde das Papier zum Auftakt der Immobilienmesse Expo Real in München.
Hohe Zuschüsse, aber keine Trendwende
Die Verbände verweisen auf die aktuellen Zahlen: 2023 wurden in Bayern nur 47.359 Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht einem Rückgang von fast 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch für dieses Jahr rechnen die Branchenvertreter nicht mit einer spürbaren Erholung.
Dabei stellen Bund und Freistaat für den Wohnungsbau in Bayern in diesem und im kommenden Jahr zusammen 3,6 Milliarden Euro bereit. Nach Einschätzung von Fachleuten wären jedoch jährlich rund 70.000 neue Wohnungen nötig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.
VdW-Direktor Hans Maier betonte, bezahlbarer Wohnraum sei keine freiwillige Aufgabe, sondern ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Stärke Bayerns. Die Forderungen der Verbände richten sich je nach Thema an Bund, Land und Kommunen.
Kommunen sollen schneller Bauland schaffen
Ganz oben auf der Liste steht der Appell an Städte und Gemeinden, die vom Bund geplanten Erleichterungen im Baugesetzbuch konsequent zu nutzen und neue Flächen für Wohnungsbau schneller auszuweisen. Grundstücke der Kommunen sollten aus Sicht der Verbände zudem nicht länger vorrangig an den Höchstbietenden verkauft werden, sondern nach Konzepten vergeben werden, die bezahlbares Wohnen fördern.
Steueranreize und verlässliche Förderung gefordert
Vom Bund erwarten die Verbände außerdem, den privaten Wohnungsbau mithilfe steuerlicher Vorteile wieder attraktiver zu machen. Zugleich kritisieren sie die wechselnden Rahmenbedingungen bei der Wohnraumförderung in den vergangenen Jahren und verlangen langfristig verlässliche Programme ohne kurzfristige Änderungen.
In dem Papier heißt es, Rekordmittel allein reichten nicht aus, um den Wohnungsmangel zu beseitigen. Notwendig seien vielmehr tiefgreifende Reformen. Dazu zählen unter anderem vollständig digitalisierte sowie deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren in den Bauämtern. Darüber hinaus enthält das Zehn-Punkte-Programm weitere Vorschläge zur Entlastung des Wohnungsbaus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber