Politik

Sabotage in Deutschland: Was Ermittler jetzt enthüllen

Sabotage in Deutschland? Diese Fälle zu Stromnetz, Bahn und Militär sind schon vor Gericht – und werfen brisante Fragen auf.

14.10.2026, 12:59 Uhr

Zwei türkische Staatsbürger sind am Dienstag in Nürtingen festgenommen worden. Gegen sie besteht der Verdacht, einen Brandanschlag auf eine Bodenstation des Satellitensystems Starlink in Polen geplant oder verübt zu haben. Die polnische Regierung vermutet Hintermänner aus russischen Geheimdiensten. Starlink spielt eine zentrale Rolle für die Kommunikation der ukrainischen Armee. Der Fall rückt auch mehrere ähnliche Vorfälle in Deutschland in den Fokus.

Sabotage am Stromnetz mit selbstgebauten Raketen

Nach mehreren Sabotageakten gegen das Stromnetz in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen nahm die Polizei am 8. September 2026 bei Weisweiler nahe Aachen einen 48-jährigen Mann fest. Er soll mit selbstgebauten Raketen Drähte über Hochspannungsleitungen geschossen und dadurch teils erfolgreich Kurzschlüsse verursacht haben. Wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche Sabotage übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Der Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft.

Verdacht auf Sabotage an Marineschiffen – Ermittlungen beendet

Im Februar 2026 wurden zwei Werftarbeiter in Hamburg und in Griechenland festgenommen. Sie standen im Verdacht, Korvetten der Deutschen Marine sabotiert zu haben, die auf der Hamburger Werft Blohm+Voss lagen. Konkret ging es unter anderem um in einen Motorblock eingebrachten Strahlkies, beschädigte Wasserleitungen, entfernte Tankdeckel und deaktivierte Sicherungsschalter. Im August 2026 wurden die Verfahren jedoch mangels klarer Beweise eingestellt. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ließ sich nicht nachweisen, wer von beiden die mutmaßlichen Taten begangen haben soll.

Sabotagefälle in Deutschland
Nahe dem Kraftwerk Weisweiler wurde ein Verdächtiger im Zusammenhang mit Sabotage-Aktionen auf Stromanlagen festgenommen. (Archivbild) Quelle: Thomas Banneyer/dpa

Mit Bauschaum beschädigte Autos – mutmaßlich im russischen Auftrag

Im Dezember 2024 wurden in mehreren Bundesländern Hunderte Fahrzeuge mit Bauschaum beschädigt. Der entstandene Schaden belief sich auf mehr als 13.000 Euro. Am 5. Oktober 2026 verurteilte das Amtsgericht Ulm drei junge Menschen wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Nach den Feststellungen sollten sie pro beschädigtem Auto 100 Euro erhalten haben. Wer mögliche Auftraggeber waren, ist weiterhin unklar.

Anklage nach Explosionen an Nord Stream

Im Zusammenhang mit den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines im September 2022 wurde im Juli 2026 Anklage gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher aus der Ukraine erhoben. Ihm wird ein Kriegsverbrechen vorgeworfen, konkret der Einsatz verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff auf zivile Objekte. Der Prozess beginnt heute, am 14. Oktober, vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Bereits im August 2026 war in Kroatien ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden.

Haftstrafen wegen Agententätigkeit für Russland

Das Oberlandesgericht München verurteilte im Oktober 2025 drei Männer wegen geheimdienstlicher Tätigkeit zugunsten Russlands. Sie sollen Sabotageakte gegen die militärische Unterstützung der Ukraine vorbereitet und unter anderem Einrichtungen der US-Streitkräfte in Deutschland ausgespäht haben. Der mutmaßliche Anführer erhielt sechs Jahre Haft, auch wegen der Planung von Sabotageakten und seiner früheren Tätigkeit als Paramilitär in der Ostukraine. Die beiden Mitangeklagten wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Gegen die Urteile wurde Revision eingelegt.

Anschlag auf die ICE-Strecke Frankfurt-Köln

Nach einem Sabotageakt auf der ICE-Strecke Frankfurt-Köln wurde im März 2020 bei Köln ein damals 51-jähriger Deutscher festgenommen. Ermittler waren ihm durch ein Bekennerschreiben auf die Spur gekommen, das unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt worden war. Der Mann hatte bei Niedernhausen in Hessen mehr als 250 Schrauben gelöst. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte ihn im März 2021 zu neun Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Nach Überzeugung des Gerichts handelte er aus übersteigerter Geltungssucht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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