Wirtschaft

Paukenschlag: Rewe darf 38 Tegut-Märkte schlucken

Tegut wird filetiert: Edeka schnappt sich die meisten Märkte, Rewe geht teils leer aus – jetzt greift das Kartellamt ein.

14.10.2026, 13:45 Uhr

Bundeskartellamt genehmigt Rewe-Übernahme von 38 Tegut-Märkten

Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die Übernahme von 38 Tegut-Filialen durch Rewe gegeben. Ursprünglich wollte der Handelskonzern 40 Standorte übernehmen. Nach Angaben der Behörde verpflichtet sich Rewe jedoch, zwei Märkte in den kommenden vier Jahren nicht zu kaufen. Dabei handelt es sich um Filialen in Marburg und Schlüchtern in Hessen.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, damit solle verhindert werden, dass sich die Wettbewerbssituation für Kundinnen und Kunden in den betroffenen Regionen deutlich verschlechtert.

Nach Einschätzung des Kartellamts hat die Übernahme nur geringe Auswirkungen auf den bundesweiten Einkauf von Rewe. Das zusätzliche Beschaffungsvolumen liege bei deutlich unter 0,2 Prozent. Deshalb sei auf den Beschaffungsmärkten keine spürbare Behinderung des Wettbewerbs zu erwarten. Gemeint sind damit die Märkte, auf denen Rewe Lebensmittel, andere Waren und Dienstleistungen von Lieferanten bezieht.

Lebensmittelhandel bleibt stark konzentriert

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel wird weiterhin von vier großen Gruppen beherrscht: Rewe, Edeka, Aldi und Lidl/Kaufland. Zusammen erzielen sie mehr als 90 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich. Für Hersteller bedeutet das nur wenige große Abnehmer und damit meist eine schwächere Verhandlungsposition. Dass mit Tegut ein weiterer eigenständiger Käufer verschwindet, gilt daher als nachteilig für viele Lieferanten.

Mundt sprach von einer sehr hohen Marktkonzentration im Lebensmittelhandel. Die Untersuchungen der Behörde hätten aber zugleich gezeigt, dass zwischen den großen Ketten weiterhin Wettbewerb bestehe. Daran werde auch der Einstieg von Rewe bei Tegut nichts Grundlegendes ändern. Allein eine starke Marktkonzentration reiche rechtlich nicht aus, um einen Zusammenschluss zu verbieten. Entscheidend sei, ob sich der Wettbewerb durch den konkreten Deal erheblich verschlechtere.

Edeka übernimmt den größten Teil des Filialnetzes

Den größten Anteil des rund 300 Standorte umfassenden Tegut-Netzes soll Edeka erhalten. Vor kurzem hatte das Kartellamt bereits die Übernahme von 178 Filialen durch Edeka genehmigt. Auch hier fiel die Zahl geringer aus als zunächst geplant: Bei 24 Standorten sagte Edeka zu, sie innerhalb von vier Jahren nicht zu übernehmen.

Zusätzlich darf die Smart-Store-Kette Tante Enso 36 Tegut-Standorte übernehmen. Wie es mit den übrigen Filialen weitergeht, ist bislang noch unklar.

Tegut-Marke vor dem Aus

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Das Unternehmen ist in sechs Bundesländern vertreten, mit einem Schwerpunkt in Hessen. Nach Angaben von Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Marke selbst soll künftig aufgegeben werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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