Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen zwischen der rechtskonservativen Bewerberin Keiko Fujimori und dem linken Politiker Roberto Sánchez ab.
Nach der vorläufigen Auszählung von knapp 94 Prozent der Stimmen lag Sánchez laut Wahlbehörde am frühen Montagmorgen (Ortszeit) mit 50,012 Prozent hauchdünn vorn. Fujimori kam demnach auf 49,988 Prozent. Damit trennten die beiden Kandidaten nur gut 4.000 Stimmen. Zuvor hatte Fujimori lange Zeit mit einem minimalen Vorsprung geführt.
„Was auch immer das Ergebnis ist, wir werden es anerkennen“, sagte Fujimori auf einer Pressekonferenz. Zugleich forderte sie, auch ihr Mitbewerber solle das offizielle Resultat akzeptieren. Bis das Ergebnis endgültig feststeht, kann es noch dauern: Das Oberste Wahlgericht hat nach Abschluss der vollständigen Auszählung noch bis Mitte Juli Zeit, den Sieger offiziell bekanntzugeben.
Mehr als 27 Millionen Peruanerinnen und Peruaner waren am Sonntag zur Stimmabgabe aufgerufen. Der neue Präsident soll am 28. Juli sein Amt antreten. Zur Stichwahl war es gekommen, weil im ersten Wahlgang im April keiner der 35 Kandidaten die nötige Mehrheit erreicht hatte.
Dauerhafte Spannungen zwischen Parlament und Regierung
Die politische Lage in Peru ist seit Jahren von Spannungen zwischen Parlament und Regierung geprägt. Der Kongress kann Staatschefs wegen angeblicher „moralischer Unfähigkeit“ des Amtes entheben. Allein in den vergangenen zehn Jahren hatte das Land mit seinen rund 35 Millionen Einwohnern bereits acht Präsidenten.
Die 51-jährige Fujimori ist die Tochter des inzwischen verstorbenen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, der wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt worden war. Die Politikerin der konservativen Partei Fuerza Popular trat bereits zum vierten Mal bei einer Präsidentschaftswahl an. Im Wahlkampf kündigte sie ein hartes Vorgehen gegen organisierte Kriminalität an und sprach sich zudem für eine Deregulierung der Wirtschaft aus.
Sánchez (57) war Außenhandels- und Tourismusminister in der Regierung des heute inhaftierten Ex-Präsidenten Pedro Castillo (2021–2022). Nach seiner Stimmabgabe besuchte er Castillo im Gefängnis. Sánchez sieht in ihm das Opfer eines politischen Manövers und kündigte an, ihn im Fall eines Wahlsiegs begnadigen zu wollen. Der Kandidat des Bündnisses Juntos por el Perú setzt sich außerdem für eine stärkere Rolle des Staates in der Wirtschaft ein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion