Wirtschaft

Apple startet neue KI-Offensive: Kommt jetzt der Durchbruch?

Apple verschob seine KI-Pläne jahrelang – jetzt folgt der neue Anlauf. Und Siri soll plötzlich mehr können als versprochen.

08.06.2026, 20:16 Uhr

Apple startet einen neuen Anlauf, Künstliche Intelligenz tief in den Alltag seiner Nutzer zu bringen. Im Zentrum steht eine deutlich erweiterte Siri, die künftig mit Diensten wie ChatGPT konkurrieren soll. Der Konzern hatte entsprechende KI-Funktionen bereits vor zwei Jahren angekündigt, ihre Einführung aber verschoben, weil sie nach Angaben von Apple noch nicht zuverlässig genug arbeiteten.

Laut Softwarechef Craig Federighi will Apple KI so entwickeln, dass sie sich klar an den Bedürfnissen der Anwender orientiert. Künstliche Intelligenz solle dort eingebunden werden, wo Menschen ihre Geräte täglich nutzen, und dabei auch den persönlichen Kontext der Nutzer verstehen.

Keine neue KI-Siri auf iPhone und iPad in der EU

Für den erweiterten Funktionsumfang bekommt Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf Apple-Geräten eingeführt wurde, eine eigene App. In einer aufgezeichneten Demonstration zeigte Apple-Manager Mike Rockwell, wie die neue Siri den nächsten Konzerttermin einer Musikerin in der Nähe findet, Informationen zum Ticketverkauf heraussucht, eine Erinnerung erstellt und anschließend auf Wunsch einen neuen Song der Künstlerin abspielt.

Zum Start wird die überarbeitete KI-Siri nur auf Englisch verfügbar sein. Weitere Sprachen sollen nach Angaben von Federighi zügig folgen. In der Europäischen Union wird „Siri AI“ zunächst generell nicht auf iPhones und iPads angeboten.

Datenschutz als zentrales Verkaufsargument

Apple betont zugleich, dass der Schutz persönlicher Daten gewahrt bleiben soll. Anfragen würden direkt auf den Geräten verarbeitet und seien für den Konzern selbst nicht einsehbar. Federighi teilte dabei auch gegen Wettbewerber aus, die aus seiner Sicht einen Wettlauf um „KI um der KI willen“ führten und den Nutzen für die Anwender aus dem Blick verlören. Für einen Teil der neuen Funktionen setzt Apple im Hintergrund auf Googles KI-Modelle der Reihe „Gemini“.

Zwei Jahre Verzögerung bei Siri

Während Apple mit den Problemen rund um Siri beschäftigt war, stellten Google mit Android und Samsung als wichtiger iPhone-Konkurrent immer neue KI-Assistenzfunktionen vor. Im Vergleich dazu wirkte Apple zuletzt im Rückstand. Auf die Nachfrage nach Apple-Geräten hatte das offenbar kaum negative Auswirkungen: Die Verkäufe stiegen weiter, und das iPhone verdrängte Samsung nach Einschätzung von Marktforschern nach vielen Jahren von der Spitze des Smartphone-Markts.

KI soll in vielen Apple-Apps Einzug halten

Neben den prominent vorgestellten Siri-Funktionen baut Apple Künstliche Intelligenz auch in zahlreiche weitere Anwendungen ein. In der App Shortcuts lassen sich Automatisierungen künftig per Sprachbefehl anlegen. So kann etwa mit einem einzigen Satz eine Funktion erstellt werden, die automatisch die voraussichtliche Ankunftszeit an Familienmitglieder schickt, sobald man sich auf den Heimweg von der Arbeit macht.

Auch in Safari soll KI unterstützen: Offene Tabs können dort nach Themen sortiert und gebündelt werden. In der Fotos-App wird es möglich sein, Personen innerhalb eines Bildes zu verschieben. Die KI ergänzt dabei entstehende Lücken oder erweitert neu benötigte Bildränder. Eine ähnliche Funktion gibt es bereits auf Android-Geräten von Google.

Die Nachrichten-App soll künftig den Kontext einer Unterhaltung besser verstehen und selbst vorschlagen, welche Fotos zu einem Chat passen könnten. In der Home-App wiederum kann Künstliche Intelligenz den Inhalt von Videos eingebundener Sicherheitskameras analysieren und in Worten beschreiben.

Letzte WWDC für Tim Cook als Konzernchef

Die Entwicklerkonferenz WWDC ist zugleich die letzte unter der Leitung von Tim Cook als Apple-Chef. Im September soll John Ternus übernehmen, der bislang für die Hardware beziehungsweise die Geräte des Konzerns verantwortlich ist.

Apple bessert auch bei System und Design nach

Neben den KI-Neuerungen kündigte Apple weitere Anpassungen an seinen Betriebssystemen an. Nach Kritik am aktuellen Design „Liquid Glass“ sollen die halbdurchsichtigen Bedienelemente stärker angepasst werden, damit Inhalte besser lesbar bleiben. Außerdem verspricht Apple durch ein verbessertes Management der Prozessorleistung mehr Tempo auch auf älteren Geräten mit den kommenden Versionen seiner Betriebssysteme.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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