Fußball

«Ich fühle mich gut»: Der Eriksen-Schock danach

Nach Eriksens Schock-Kollaps gibt es ein erstes Update – doch die entscheidende Frage bleibt: Steht der Star je wieder auf dem Platz?

08.06.2026, 18:33 Uhr

22 Stunden nach dem erneuten Schockmoment hat sich Christian Eriksen erstmals selbst an die Öffentlichkeit gewandt. Auf Instagram schrieb der dänische Nationalspieler, dass es ihm gut gehe und er inzwischen wieder zu Hause bei seiner Familie sei.

Der Profi des VfL Wolfsburg war am Sonntagabend im Länderspiel gegen die Ukraine erneut auf dem Platz zusammengebrochen. Anders als bei der EM 2021 in Kopenhagen war er diesmal jedoch schnell wieder ansprechbar und konnte sogar selbstständig zum Krankenwagen gehen. Trotzdem wurden sofort Erinnerungen an den dramatischen Herzstillstand vor fünf Jahren wach, als Eriksen auf dem Rasen reanimiert werden musste und später einen implantierbaren Defibrillator erhielt.

Eriksen erklärte, ein Schock seines ICD habe für ihn und seine Familie natürlich große Auswirkungen. Zugleich betonte er, dass die Situation von damals und die aktuelle nicht identisch seien. Dennoch bleibt offen, wie es für ihn sportlich weitergeht und welche Folgen ein solcher Vorfall für ihn selbst, seine Angehörigen und auch seine Mitspieler hat.

Wie ist Eriksens aktueller Zustand?

Der dänische Fußball-Verband DBU gab kurz nach dem Vorfall rasch Entwarnung. Diese Einschätzung wurde am Tag danach vom Teamarzt und von Eriksen selbst bestätigt. Der 34-Jährige teilte mit, dass er sich gut fühle und seine Erholung bereits begonnen habe. Nun wolle er sich vor allem regenerieren, Zeit mit seiner Familie verbringen, in den Urlaub fahren und mit seinen Kindern Fußball spielen.

Was könnte den Zusammenbruch ausgelöst haben?

Eine endgültige Diagnose gibt es bislang nicht. Teamarzt Morten Boesen deutete jedoch an, dass erneut eine Störung des Herzrhythmus vorgelegen haben könnte. In diesem Fall hätte der Defibrillator mit einem Stromstoß reagiert und den normalen Rhythmus wiederhergestellt. Eriksen selbst schrieb dazu, sein ICD habe genau die Aufgabe erfüllt, für die er eingesetzt worden sei: ihn in einem kritischen Moment zu schützen.

Dänemark - Ukraine
Die Spieler aus Dänemark und der Ukraine schirmen Christian Eriksen nach seinem Zusammenbruch ab. Quelle: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

In dänischen Medien wurde zudem eine weitere mögliche Erklärung genannt. Demnach könnten auch Flüssigkeitsmangel oder eine leichte Erkrankung zunächst zu einem stark beschleunigten Herzrhythmus geführt haben, woraufhin das Gerät aktiviert wurde. Nach dieser Theorie wäre der Schock des Defibrillators selbst der unmittelbare Grund für den Zusammenbruch gewesen. Der Kardiologe Gunnar Gislason wurde dazu mit den Worten zitiert, ein solcher Stromstoß könne sich anfühlen, als bekomme man einen Tritt eines Pferdes gegen die Brust.

Unabhängig von der genauen Ursache betonte der Teamarzt, dass es in den vergangenen Wochen und Monaten keinerlei Hinweise auf ein akutes Herzproblem gegeben habe. Andernfalls wäre Eriksen nicht eingesetzt worden.

So reagiert der VfL Wolfsburg

Eriksen war erst im vergangenen September nach Stationen bei Manchester United und Inter Mailand zum VfL Wolfsburg gewechselt. Eigentlich sollten in dieser Woche Gespräche darüber stattfinden, ob er sich einen Verbleib beim Verein auch nach dem Bundesliga-Abstieg vorstellen kann. Diese Planungen wurden nun zunächst zurückgestellt.

Wolfsburgs Sport-Geschäftsführer Dieter Hecking sprach von einem Schock, weil die Bilder von 2021 noch bei allen präsent seien. Man habe sofort Kontakt mit dem Arzt der dänischen Nationalmannschaft aufgenommen und sich umfassend informieren lassen. Der Klub stehe weiterhin im engen Austausch mit Eriksen und seinem Umfeld. Entscheidend sei nun, dass es ihm den Umständen entsprechend gut gehe. Verein und Verantwortliche sicherten ihm und seiner Familie ihre volle Unterstützung zu.

Wird Eriksen noch einmal spielen?

Nach seinem Herzstillstand bei der Europameisterschaft 2021 hatte Eriksen schnell deutlich gemacht, dass er seine Karriere unbedingt fortsetzen wolle. Er wollte als Fußballer in Erinnerung bleiben und nicht allein wegen seines Zusammenbruchs auf dem Platz.

Inzwischen ist er einige Jahre älter, und auch im dänischen Verband weiß niemand, wie seine Entscheidung diesmal ausfallen wird. Sportdirektor Peter Möller sagte, die Frage nach seiner Zukunft sei absolut berechtigt, beantworten könne sie aber nur Eriksen selbst.

Auch das Team steht unter Schock

Der Vorfall löste im dänischen Team erneut große Bestürzung aus. Schon 2021 war Eriksens Ehefrau Sabrina Kvist Jensen in einer extrem belastenden Situation, als sie von den Mitspielern ihres Mannes gestützt werden musste. Auch diesmal begleitete sie ihn ins Krankenhaus. Bilder zeigten mehrere dänische Nationalspieler, darunter Joakim Maehle und Andreas Christensen, die bereits den Vorfall von 2021 miterlebt hatten und nun erneut erschüttert reagierten.

Der Verband stellte sicher, dass nach dem Spiel niemand allein abreisen musste. Laut Möller fahren die Spieler entweder mit ihrer Familie, mit Angehörigen oder in der Gruppe nach Hause. Außerdem stellt der dänische Verband seinen Nationalspielern erneut psychologische Unterstützung zur Verfügung. Ein Krisenpsychologen-Team steht bereit, und jeder Spieler kann selbst entscheiden, wann er dieses Angebot nutzen möchte. Möller betonte, dass manche Betroffene das Bedürfnis nach einem Gespräch womöglich erst Tage später verspüren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen