Iran

Iran stoppt Angriffe auf Israel vorerst

Nach der „schmerzhaften Antwort“ auf Israel zieht Iran plötzlich die Reißleine – was hinter dem Stopp steckt.

08.06.2026, 13:21 Uhr

Iran und Israel wollen Angriffe vorerst einstellen

Nach der jüngsten Eskalation zwischen dem Iran und Israel wollen beide Länder ihre Angriffe vorerst aussetzen. Israel werde die Angriffe auf Wunsch von US-Präsident Donald Trump einstellen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter dem Portal ynet. Eine mit dem Vorgang vertraute israelische Quelle bestätigte entsprechende Berichte der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte bereits die iranische Militärführung erklärt, ihre Einsätze gegen Israel zu beenden.

Die neuen Kampfhandlungen hatten zuvor die Hoffnungen auf eine von Trump angestrebte Vereinbarung zur Eindämmung des Konflikts in der Region massiv belastet. Der US-Präsident betonte jedoch in mehreren Beiträgen, dass weiter an einer schnellen Lösung gearbeitet werde.

Israel startet großangelegte Gegenangriffe

Nach Angaben des israelischen Militärs begann die Armee seit den frühen Morgenstunden mit mehreren Angriffen im Iran. Auslöser sei der erneute Raketenbeschuss aus Teheran gewesen. Die Armee sprach von einem großangelegten Einsatz, an dem Dutzende Kampfflugzeuge beteiligt gewesen seien.

Ziel seien unter anderem strategische Verteidigungssysteme der iranischen Führung gewesen. Im Südwesten des Landes sei zudem eine Anlage der petrochemischen Industrie angegriffen worden.

Der Iran antwortete darauf mit mehreren Angriffswellen gegen Israel. In vielen Orten im Norden, Süden und Zentrum des Landes heulten die Sirenen, Bewohner wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Medien berichteten von Explosionen, während die Luftabwehr versuchte, anfliegende Geschosse abzufangen. Nach israelischen Militärangaben feuerte der Iran seit Sonntagabend mehr als 20 ballistische Raketen auf Israel ab.

Teheran meldet Ende der Operationen

Am Nachmittag erklärte die iranische Militärführung über den staatlichen Rundfunk, die Angriffe gegen Israel seien beendet. Die Islamische Republik habe Israel zur Unterstützung des Libanons eine „schmerzhafte Antwort“ erteilt. Vor diesem Hintergrund werde die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben.

Zugleich drohte das iranische Hauptquartier Chatam al-Anbija mit „härteren und vernichtenderen Maßnahmen“, sollte es weitere Kampfhandlungen geben – auch mit Blick auf israelische Angriffe im Südlibanon.

Weitere Kämpfe im Libanon

Kurz nach der iranischen Ankündigung kam es dort dennoch erneut zu Gefechten. Israels Armee griff nach Berichten wieder Ziele im Süden des Libanons an. Die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen auf dort stationierte israelische Soldaten.

Israel erklärte zuvor bereits, man habe nach Beschuss durch die Hisbollah „Terroristen-Hauptquartiere“ der Miliz ins Visier genommen. Die schiitische Hisbollah gilt als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter des Irans.

Unterdessen setzte Israel auch seine Luftangriffe im Süden des Libanons fort. Laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden im Raum Nabatija mindestens vier Menschen getötet.

Iran sperrt seinen Luftraum

Der Iran schloss unterdessen seinen gesamten Luftraum bis auf Weiteres. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wurden sämtliche Verbindungen an allen iranischen Flughäfen gestrichen.

Iranischen Berichten zufolge wurden bei den israelischen Luftangriffen 15 Menschen verletzt. Tote habe es bislang nicht gegeben. Demnach stammen 14 der Verletzten aus der südlichen Provinz Chusestan, eine weitere verletzte Person aus der Hauptstadt Teheran.

Trump: Verhandlungen sollen schnell vorangehen

Trump forderte Iran und Israel auf seiner Plattform Truth Social auf, die Angriffe sofort einzustellen. Kurz darauf schrieb er, beide Seiten zögen einen „sofortigen Waffenstillstand“ in Betracht. Die Verhandlungen über eine Friedenslösung würden fortgesetzt und sollten rasch vorankommen.

Zugleich erklärte Trump, die Seeblockade der Straße von Hormus bleibe vorerst aufrechterhalten. Die jüngsten Angriffe seien zwar eine schwere Belastungsprobe für die Gespräche, er spielte die Folgen jedoch herunter. Gegenüber der Financial Times sagte Trump zudem, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu müsse ein mögliches Abkommen am Ende akzeptieren. „Ich habe das Sagen. Ich habe das alleinige Sagen“, sagte Trump dem Blatt.

Zusammenhang mit dem Konflikt im Libanon

Der Iran hatte seine ersten Angriffe am Sonntagabend mit wiederholten israelischen Verstößen gegen die separat vereinbarte, jedoch äußerst fragile Waffenruhe im Libanon begründet. Konkret verwies Teheran auf israelische Angriffe in Vororten von Beirut.

Israel erklärte dazu, man habe nach Beschuss durch die Hisbollah „Terroristen-Hauptquartiere“ der Miliz ins Visier genommen. Die schiitische Hisbollah gilt als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter des Irans.

Zwei brüchige Waffenruhen unter Druck

Israel und der Libanon hatten sich vergangenen Donnerstag auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung ihrer Waffenruhe verständigt. Eine Bedingung war, dass die Hisbollah ihre Angriffe vollständig beendet. Die Miliz war an den Gesprächen allerdings nicht beteiligt, lehnte die Vereinbarung strikt ab und setzte den Beschuss fort. Die libanesische Regierung ist selbst keine Konfliktpartei und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah.

Daneben gilt seit dem 8. April auch eine zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe. Die jüngsten Angriffe sind der erste schwere gegenseitige Schlagabtausch seit deren Inkrafttreten. Bereits am 28. Februar hatten die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen.

Diplomatie bleibt angespannt

Mit Blick auf die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon sollen die Gespräche unter US-Vermittlung in Washington weitergehen. Der US-Botschafter im Libanon, Michael Issa, sagte laut einer Mitteilung des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun bei einem gemeinsamen Treffen, die Vereinigten Staaten wollten die Konfrontation nicht weiter eskalieren lassen.

Trump strebt ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran an, um den Konflikt langfristig zu beenden. Ob die jüngste Eskalation diese Bemühungen dauerhaft gefährdet, ist offen.

Israel stellte sich auf längeren Konflikt ein

Israels Militär hatte sich nach eigenen Angaben zunächst auf einen mindestens mehrtägigen Konflikt mit dem Iran eingestellt. Bei der Abwehr iranischer Raketen arbeite Israel mit den USA zusammen, die Angriffe auf Ziele im Iran führe man jedoch selbst aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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