Politik

Neue Spur: Polizei prüft Berichte zu Ex-Prinz Andrew

Neue Wendung im Fall Andrew: Ermittler verfolgen mehrere Spuren – jetzt rücken auch Vorwürfe einer Frau von 2010 in den Fokus.

22.05.2026, 10:10 Uhr

Die Thames Valley Police verfolgt in den umfangreichen Ermittlungen gegen den früheren Prinzen Andrew nach eigenen Angaben mehrere Spuren. Aus einer Mitteilung der Behörde geht hervor, dass dabei auch möglicher sexueller Missbrauch beziehungsweise sexuelles Fehlverhalten untersucht wird. Andrew, der jüngere Bruder von König Charles III., war im Februar im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zeitweise festgenommen worden.

Zusätzlich prüfen die Ermittler Berichte, wonach im Jahr 2010 eine Frau zu sexuellen Zwecken zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll. Laut Polizei wurde die anwaltliche Vertretung der betroffenen Frau kontaktiert, um deutlich zu machen, dass eine mögliche Anzeige mit besonderer Sorgfalt und Sensibilität behandelt würde.

Andrew steht zudem im Verdacht, während seiner früheren Tätigkeit als britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben zu haben. Der 66-Jährige wurde aus seinen offiziellen Aufgaben innerhalb der Königsfamilie ausgeschlossen; zudem verlor er seine Titel und Ehren.

Ermittler betonen breiteren Prüfungsrahmen

Wie Assistant Chief Constable Oliver Wright erklärte, könne der Straftatbestand des Fehlverhaltens im öffentlichen Amt sehr unterschiedliche Formen annehmen. Britischen Medien zufolge schließt dies auch mögliches sexuelles Fehlverhalten ein.

Nach Angaben der Polizei werden derzeit zahlreiche Zeugen befragt, außerdem werten die Ermittler eine große Menge an Material aus. Wright erklärte, man sei entschlossen, alle glaubhaften Ermittlungsansätze konsequent zu verfolgen – unabhängig davon, wohin sie führten.

Epstein-Skandal - Windsor
Die Polizei sieht sich mit komplexen und langwierigen Ermittlungen konfrontiert. (Archivbild) Quelle: Jonathan Brady/PA Wire/dpa

Berichten britischer Medien zufolge besteht bei den Ermittlern die Sorge, in der Öffentlichkeit könne der Eindruck entstehen, die Untersuchung beschränke sich auf den Vorwurf der Weitergabe sensibler Informationen während Andrews Zeit als Handelsbeauftragter. Tatsächlich sei der rechtliche Rahmen der Ermittlungen deutlich weiter gefasst.

Andrew Mountbatten-Windsor galt als enger Vertrauter von Jeffrey Epstein. Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk sexuellen Missbrauchs betrieben haben, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen.

Eines dieser Opfer, die inzwischen verstorbene Virginia Giuffre, beschuldigte Andrew, sie mehrfach missbraucht zu haben – teilweise, als sie noch minderjährig gewesen sei. Andrew weist diese Vorwürfe zurück. Eine von Giuffre in den USA eingereichte Zivilklage endete Medienberichten zufolge jedoch mit einem Vergleich in Millionenhöhe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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