Politik

KZ-Gedenkstätten schlagen Alarm

Weniger Zeitzeugen, mehr Einfluss? Europas KZ-Gedenkstätten warnen vor politischem Druck auf Erinnerung und Forschung.

15.07.2026, 16:40 Uhr

Gedenkstätten warnen vor Einflussnahme von rechts

Angesichts des politischen Rechtsrucks in Europa sehen viele NS-Gedenkstätten ihre Arbeit zunehmend bedroht. In einer gemeinsamen Erklärung forderten 32 Erinnerungsorte aus ganz Europa — von Auschwitz bis Buchenwald —, dass ihre Unabhängigkeit uneingeschränkt geschützt werden müsse.

Die Einrichtungen verwiesen darauf, dass die Zahl der Überlebenden und Zeitzeugen immer weiter abnimmt. Umso wichtiger sei es, dass Gedenkstätten die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus bewahren und entschieden gegen Entmenschlichung, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit eintreten.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Stutthof in Polen sowie Dachau, Sachsenhausen und Bergen-Belsen in Deutschland. Weitere Unterstützung kam aus der Ukraine, Tschechien, Österreich, Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Warnung vor politischem und finanziellem Druck

In der Erklärung heißt es, dass unabhängige Forschung und Bildungsarbeit nur möglich seien, wenn Gedenkstätten nicht von politischen Stellen auf kommunaler, regionaler, nationaler oder europäischer Ebene abhängig gemacht würden. Ihre wissenschaftliche und praktische Arbeit dürfe weder politischem Einfluss noch finanziellen Zwängen unterworfen werden.

Ein Sprecher der Gedenkstätte Buchenwald erklärte, mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeugen nehme auch die Zahl der Versuche zu, Erinnerungsorte nationalsozialistischer Verfolgung für autoritäre politische Interessen zu missbrauchen. Deshalb müssten die wissenschaftliche Integrität und die Eigenständigkeit der Gedenkstätten konsequent gesichert werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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