Wærenskjold gewinnt Sprintankunft in Nevers
Der Norweger Søren Wærenskjold hat die vierte Gelegenheit für die Sprinter bei der diesjährigen Tour de France genutzt. Nach 161,3 Kilometern von Vichy nach Nevers setzte sich der 26-Jährige im Massensprint durch und feierte damit seinen ersten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt.
Die elfte Etappe geht dabei als historische Tempofahrt in die Statistik ein. Das Portal Procyclingstats errechnete eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50,91 km/h. Damit war das Teilstück abseits von Prologen und Zeitfahren schneller als der bisherige Rekord von 50,36 km/h aus dem Jahr 1999, als Mario Cipollini vor Erik Zabel gewann.
Auch Tadej Pogacar staunte über das enorme Tempo. Der Slowene schilderte, wie er die Besonderheit des Tages sogar bei einer kurzen Toilettenpause bemerkte. Als das Feld danach wieder beschleunigte, sei es "Wahnsinn" gewesen, zurückzukommen, sagte der viermalige Tour-Champion. Dabei habe er sich gedacht, dass es diesmal tatsächlich extrem schnell ins Ziel gehen würde.
Pogacar zeigte sich anschließend sogar stolz, Teil dieser Rekordetappe gewesen zu sein. Als Grund nannte er unter anderem eine starke Ausreißergruppe, die dem Feld gefährlich werden konnte. Um einen erfolgreichen Angriff der Fluchtfahrer zu verhindern, habe das Peloton das Tempo deshalb hochhalten müssen.
Auf Platz zwei landete der Niederländer Olav Kooij. Rang drei ging nach der Juryentscheidung an den Belgier Milan Fretin. Jasper Philipsen war zunächst als Dritter ins Ziel gekommen, wurde anschließend jedoch zurückgestuft. Bester deutscher Fahrer war Pascal Ackermann auf Platz neun. Max Kanter aus Cottbus belegte Rang 17.
Ackermann sprach danach von einer erwartungsgemäß extrem schnellen Etappe. In der ARD sagte der Pfälzer, die letzten zehn Kilometer seien sogar "die langsamsten vom ganzen Tag" gewesen.
Enormes Tempo schon früh im Rennen
Auf dem flachen Teilstück war das hohe Tempo schon früh spürbar. Die Profis lagen zeitweise bei rund 53 km/h im Schnitt. Einen Vorgeschmack auf den Tagesausgang gab es bereits beim Zwischensprint etwa 130 Kilometer vor dem Ziel: Dort gewann Philipsen vor Kanter und Ex-Weltmeister Mads Pedersen, der das Grüne Trikot des Punktbesten trägt.
Für Philipsen blieb es dennoch beim nächsten verpassten Tagessieg. Bei den ersten drei Sprintankünften dieser Tour war der Belgier ebenfalls sieglos geblieben, sein bestes Resultat war bis dahin Rang vier. Zuletzt hatte er offen über aufkommende Zweifel gesprochen. Aus seinem Team kamen dagegen aufmunternde Worte, unter anderem von Mathieu van der Poel, der weiter an einen Sieg seines Sprintkapitäns glaubt.
Kanter zog derweil nach eigener Aussage Kraft aus dem Ruhetag. Nach der harten Kletterpartie im Zentralmassiv habe man allerdings gemerkt, dass einige Fahrer die Beine erst wieder in Schwung bringen mussten. Sein Hauptaugenmerk habe deshalb darauf gelegen, möglichst viel Energie zu sparen.
Zimmermann mit Sturz
Für einen Schreckmoment sorgte Georg Zimmermann rund 30 Kilometer vor dem Ziel. TV-Bilder zeigten den 28 Jahre alten Augsburger nach einem Sturz am Boden, wo er von den Rennärzten untersucht wurde. Der Vorfall ereignete sich an einer Stelle, an der Teammitarbeiter den Fahrern Verpflegungsbeutel übergeben. Neben Zimmermann waren auch noch weitere Profis in den Zwischenfall verwickelt. Wie es genau zu dem Sturz kam, war zunächst nicht klar.
Immerhin konnte der ehemalige deutsche Meister anschließend wieder aufstehen. Später erreichte Zimmermann auch das Ziel. Der Zwischenfall ließ dennoch aufhorchen: Im vergangenen Jahr hatte Zimmermann die Tour vor der zehnten Etappe wegen der Folgen eines Sturzes aufgeben müssen.
Gesamtwertung bleibt unverändert
An der Spitze des Gesamtklassements gab es keine Veränderungen. Tadej Pogacar verteidigte bei seinem 60. Auftritt im Gelben Trikot die Führung souverän. Sein dänischer Herausforderer Jonas Vingegaard liegt weiterhin 3:36 Minuten zurück. Remco Evenepoel, Teamkollege des Gesamtsechsten Florian Lipowitz, weist knapp vier Minuten Rückstand auf.
Auch am Donnerstag wieder gute Chancen für die Sprinter
Auf der zwölften Etappe dürften erneut die schnellen Fahrer im Mittelpunkt stehen. Der Start erfolgt auf der Rennstrecke Magny-Cours bei Nevers, auf der Michael Schumacher einst insgesamt acht Formel-1-Siege feierte. Von dort führt die Strecke über 179,1 Kilometer in Richtung Osten nach Chalon-sur-Saône.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber