Ein geplanter Vertrag im Wert von 50 Millionen Pfund zwischen dem US-Softwarekonzern Palantir und der Londoner Metropolitan Police ist nach einem Einspruch von Londons Bürgermeister Sadiq Khan gescheitert. Das entspricht mehr als 57 Millionen Euro.
Nach Angaben des Bürgermeisteramts für Polizei und Kriminalität (MOPAC) war Palantir der einzige Anbieter, den die Met Police ernsthaft geprüft habe. Allerdings habe die Polizei keine Beschaffungsstrategie zur Freigabe eingereicht. Das wertete MOPAC als einen deutlichen und gravierenden Verstoß gegen die geltenden Verfahrensregeln.
Khan verweist auf ethische Fragen
Sowohl Palantir als auch die Metropolitan Police übten Kritik an der Entscheidung. Ein Sprecher der Met Police sagte laut BBC, die Behörde müsse moderner werden und dafür auf die bestmögliche Technologie zurückgreifen.
Aus dem Umfeld von Bürgermeister Khan hieß es, die Menschen in London erwarteten, dass öffentliche Mittel nur an Unternehmen flössen, die die Werte der Stadt teilten. Zugleich sei es nach dem derzeitigen Vergaberecht jedoch nicht möglich, ethische Vorbehalte als Grund für die Ablehnung eines Auftrags anzuführen. Khan wolle dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt bei der Regierung ansprechen.
Palantir auch bei deutschen Polizeibehörden im Einsatz
Palantir ist auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert. Das Unternehmen bietet unter anderem Software an, mit der Informationen aus Geheimdienst- und Militärbereichen ausgewertet werden können. In Deutschland setzen unter anderem Polizeibehörden in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg auf das Analyseprogramm Gotham.

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Europa und den USA wächst in der IT-Branche die Sorge, dass politischer Druck künftig auch über amerikanische Software ausgeübt werden könnte – etwa durch blockierte Datenzugänge, den Abfluss sensibler Informationen oder sogar die Fernabschaltung von Systemen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion