Hessen

Visa-Skandal? Razzien wegen erschlichener Visa

220 Beamte stürmen Objekte in Hessen und Niedersachsen: Nach einer Bus-Kontrolle flog ein mutmaßlicher Visa-Trick auf.

21.05.2026, 17:33 Uhr

Razzien wegen mutmaßlich erschlichener Visa für usbekische Arbeitsuchende

Eine mutmaßliche Tätergruppe soll sich unrechtmäßig 76 Kurzzeitvisa für arbeitsuchende Menschen aus Usbekistan beschafft haben. In diesem Zusammenhang durchsuchten am frühen Morgen nach Behördenangaben rund 220 Bundespolizisten sieben Objekte in den hessischen Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner sowie im niedersächsischen Landkreis Helmstedt.

Die Staatsanwaltschaft Weiden ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern, des unerlaubten Aufenthalts, der Erschleichung von Visa und der Urkundenfälschung. Auslöser der Ermittlungen war die Kontrolle eines usbekischen Staatsangehörigen in einem Fernbus kurz nach der Einreise über einen bayerischen Grenzübergang.

Nach Angaben der Ermittler richtet sich das Verfahren gegen eine mutmaßlich international tätige Gruppe mit mehreren Beschuldigten aus Usbekistan. Bei den Durchsuchungen trafen die Einsatzkräfte zwölf Zielpersonen an. Zudem wurden neun weitere Personen festgestellt, bei denen der Verdacht besteht, dass sie sich ohne gültige Erlaubnis in Deutschland aufhalten.

Viele Unterlagen und Geräte beschlagnahmt

Sichergestellt wurden laut Behörden vermutlich gefälschte Ausweise und Führerscheine aus verschiedenen europäischen Staaten, mehr als 20 Handys und zwei Laptops. Außerdem beschlagnahmten die Beamten Bankunterlagen sowie Dokumente zu Meldungen und Versicherungen. Gegen mehrere verfahrensrelevante Personen liefen am Nachmittag noch polizeiliche Maßnahmen. Zudem wird geprüft, ob gegen den Hauptbeschuldigten ein Haftbefehl beantragt wird.

Nach bisherigem Stand sollen die Verdächtigen für arbeitsuchende usbekische Staatsangehörige Schengen-Kurzzeitvisa organisiert haben. Dafür sollen sie gegenüber Behörden falsche Angaben gemacht und Flugtickets eingereicht haben. Nach der Einreise nach Deutschland seien die Betroffenen dann mit gefälschten EU-Ausweisdokumenten ausgestattet worden.

Mit diesen mutmaßlich falschen Identitäten sollen anschließend Anmeldungen bei Kranken- und Rentenversicherungen, Finanzämtern, Einwohnermeldeämtern, Agenturen für Arbeit und Jobcentern erfolgt sein. Auch Bankkonten sollen eröffnet und Mobilfunkverträge eingerichtet worden sein. Den Beschuldigten werden derzeit 76 Visa zugerechnet. Für ein Visum sollen sie 2.000 Euro verlangt haben, für Flugtickets ebenfalls 2.000 Euro und für gefälschte Führerscheine 400 Euro.

Kontrolle in Reisebus brachte Ermittlungen ins Rollen

Begonnen hatten die Ermittlungen nach einer Kontrolle im Oktober 2025 an der A6 bei Waidhaus im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Bundespolizisten überprüften dort in einem Reisebus auf der Strecke Prag–Amsterdam einen usbekischen Mann. Er wies sich mit einem gültigen usbekischen Reisepass aus, in dem sich ein tschechisches Schengenvisum der Kategorie C befand. Dieses erlaubte eine einmalige Einreise und einen Aufenthalt von acht Tagen im Schengenraum.

Bei der Durchsuchung seines Gepäcks fanden die Beamten nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem vier mutmaßlich gefälschte lettische Identitätskarten und einen mutmaßlich gefälschten polnischen Führerschein, die auf andere Namen ausgestellt waren. Daraus ergaben sich Hinweise auf Personen, die Visa organisiert und beschafft haben könnten.

Der leitende Oberstaatsanwalt Matthias Bauer erklärte, die Behörden gingen entschlossen gegen Strukturen vor, die reguläre Migrationsverfahren, Verwaltungsabläufe und soziale Sicherungssysteme gezielt missbrauchen wollten. Die Ermittlungen dauern an. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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