Wirtschaft

KI-Deal des Bundes: Telekom und SAP räumen ab

Deutschlands Ämter hinken digital hinterher – jetzt soll KI alles beschleunigen. Erste Großaufträge sind schon vergeben.

21.05.2026, 16:31 Uhr

Nach dem Rückzug eines rivalisierenden Bieterkreises um den US-Konzern Google haben die Telekom-Tochter T-Systems und der Softwarehersteller SAP einen bedeutenden Bundesauftrag zum Aufbau einer KI-Plattform erhalten. Das Bundesdigitalministerium in Berlin bestätigte, dass der Zuschlag inzwischen vergeben wurde.

Die neue Plattform soll die Bearbeitung von Dokumenten in Behörden effizienter machen, außerdem Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen. Vorgesehen sind unter anderem Funktionen zur automatischen Zusammenfassung von Texten. Ziel ist es, eine zentrale KI-Drehscheibe für die öffentliche Verwaltung zu schaffen.

Die Vergabe der Cloud-KI-Dienste hatte sich zuvor verzögert, weil ein konkurrierendes Konsortium mit Google und dem Dortmunder IT-Unternehmen Adesso rechtlich gegen das Verfahren vorgegangen war. Diese Beschwerde wurde inzwischen zurückgezogen, sodass das Ministerium den Auftrag nun an das Telekom-geführte Konsortium vergeben konnte.

Zwei Anbieter teilen sich den Auftrag

Das Auftragsvolumen liegt bei knapp 250 Millionen Euro. Rund 70 Prozent entfallen auf das Konsortium um die Telekom, das im Verfahren den ersten Platz belegte. Die übrigen 30 Prozent gehen an ein Bündnis um das Wiesbadener Unternehmen SVA System Vertrieb Alexander GmbH.

Die Aufteilung wurde nach Angaben des Bundes bewusst gewählt, um eine einseitige Abhängigkeit von nur einem Anbieter zu vermeiden. Stattdessen sollen zwei Partner die Aufgabe tragen. Fällt ein Anbieter aus oder gerät ins Stocken, kann der andere einspringen. Damit sollen digitale Widerstandsfähigkeit und technologische Souveränität gestärkt werden.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sprach von einem wichtigen Schritt für die Verwaltung in Deutschland. Mit der KI-Cloud entstehe die Grundlage für eine souveräne, digitale und KI-fähige Verwaltung. Digitalisierung für Bund, Länder und Kommunen solle auf einer Infrastruktur aufsetzen, die sicher, skalierbar und unter eigener Kontrolle sei sowie europäische Anschlussfähigkeit biete. Nun komme es darauf an, digitale Lösungen flächendeckend in die Verwaltung zu bringen und die Modernisierung des Landes voranzutreiben.

Telekom und SAP betonen europäische Souveränität

Telekom-Chef Tim Höttges begrüßte die Entscheidung und verwies auf den technologischen Rückstand Europas. Dieser lasse sich nicht durch Debatten, sondern nur durch konsequentes Handeln aufholen. Gemeinsam mit SAP wolle die Telekom dazu beitragen, dass Deutschland und Europa ihre digitale Zukunft selbst gestalten können.

Auch SAP-Vorstandschef Christian Klein hob die Bedeutung vertrauenswürdiger KI hervor. Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität seien eng miteinander verknüpft, sagte er. SAP bringe seine Kompetenzen bei Geschäftsprozessen, Daten und verlässlicher KI über die eigene Business-AI-Plattform ein, um zusammen mit der Telekom Innovationen im öffentlichen Sektor schneller voranzubringen. Die Lösungen sollen sicher, skalierbar und nach einem gemeinsamen Standard für Kommunen, Länder und Bund umgesetzt werden – als Teil des sogenannten Deutschland-Stacks, also eines modular aufgebauten digitalen Technologie-Baukastens.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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