Israel

Trump: Hamas-Deal zur Entwaffnung steht

Trump verkündet Hamas-Entwaffnung in Gaza als Deal – ist das wirklich der Durchbruch zum dauerhaften Frieden?

31.07.2026, 00:43 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat eine angebliche Einigung auf die vollständige Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen als Durchbruch dargestellt. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er von einem „monumentalen Schritt“ hin zu dauerhaftem Frieden und mehr Sicherheit.

Ob und wann das tatsächlich umgesetzt wird, bleibt jedoch offen. Israel äußerte sich offiziell zunächst nicht zu Trumps Ankündigung. Aus israelischen Regierungskreisen hieß es allerdings, dass sich die Armee bis zur tatsächlichen Entwaffnung der Hamas nicht von der sogenannten „gelben Linie“ zurückziehen werde. Gemeint ist die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition der israelischen Armee im Gazastreifen. Israel stört sich demnach daran, dass ein Rückzug bereits vor dem Abschluss der Entwaffnung beginnen soll.

Die Hamas bestätigte in einer Mitteilung keinen ausdrücklichen Durchbruch bei den Verhandlungen, sondern machte die Umsetzung weiter von Bedingungen abhängig.

Trump und Friedensrat sprechen von historischem Schritt

Nach Trumps Angaben sollen auch andere islamistische Gruppen im Gazastreifen entwaffnet werden. Eine internationale Stabilisierungstruppe soll gemeinsam mit einer neuen palästinensischen Polizei die Sicherheit im Gazastreifen und in angrenzenden Gebieten gewährleisten. Israel solle die Garantie erhalten, dass der Gazastreifen nicht länger als Basis für Terroranschläge genutzt werde.

Der von Trump initiierte Friedensrat, der den Wiederaufbau Gazas und die Nachkriegsordnung überwachen soll, erklärte, die Hamas habe sich erstmals offiziell zu einem umsetzbaren Plan zur Abgabe all ihrer Waffen bekannt.

Neu hinzu kommt laut dem Gremium: Waffen aus dem Gazastreifen sollen weder an Israel noch an nicht-palästinensische Akteure übergeben werden. Künftig solle nur die palästinensische Übergangsregierung Waffen im Gazastreifen verwahren und kontrollieren. Das steht im Kontrast zu einer israelischen Forderung, wonach für jeden weiteren politischen Prozess sämtliche Waffen aus dem Gazastreifen abtransportiert werden müssten.

Sobald die Kampfhandlungen auf beiden Seiten eingestellt sind und die palästinensische Übergangsverwaltung sowie die internationale Stabilisierungstruppe im Gazastreifen angekommen sind, sollen schwere Waffen eingelagert werden. Außerdem sei vorgesehen, Waffenfabriken, Waffenlager und Tunnel stillzulegen. Dieser Prozess solle mit einem schrittweisen israelischen Rückzug aus den von Israel kontrollierten Gebieten verknüpft werden.

Hamas knüpft Entwaffnung an Bedingungen

Die Entwaffnung der Hamas zählt zu den zentralen Streitpunkten des von den USA vorangetriebenen Friedensplans. Die Organisation hatte die Abgabe ihrer Waffen bislang stets abgelehnt. Israel pocht darauf, dass ein umfassender Wiederaufbau des Gazastreifens erst beginnen könne, wenn die bewaffneten Gruppen dort entwaffnet seien.

Laut einer Mitteilung der Hamas hängt die Umsetzung der zweiten Phase des Friedensplans davon ab, dass Israel alle Bedingungen der ersten Phase erfüllt. Dazu zähle insbesondere ein Ende der israelischen Militäreinsätze. In dieser zweiten Phase ist nach dem Plan die vollständige Entwaffnung der Hamas vorgesehen.

Die Hamas erklärte außerdem, dass die Frage schwerer Waffen an weitere Forderungen geknüpft sei. Dazu gehörten unter anderem ein israelischer Abzug aus dem Gazastreifen sowie die Gründung eines palästinensischen Staates. Nach Angaben aus dem Umfeld des Friedensplans ist ein eigener palästinensischer Staat im vorliegenden Konzept nicht ausdrücklich vorgesehen. Genannt werden dort lediglich „Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Weg zur Selbstbestimmung und Staatlichkeit der Palästinenser“.

Ein Mitglied der Hamas-Verhandlungsdelegation, Ghazi Hamad, sagte dem Wall Street Journal, die Gruppe habe zugestimmt, ihre Waffen in einem Lager unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung zu deponieren. Zugleich grenzte er dies klar von einer vollständigen Entwaffnung ab. Von einer Waffenübergabe oder Entwaffnung sei keine Rede, betonte er. Voraussetzung sei aus Sicht der Hamas, dass Israel seine Militäroperationen in Gaza beendet.

Der mit der Hamas verbündete Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) wies eine Einigung ebenfalls zurück. Ein Mitglied des Politbüros der Organisation sagte, bei dem derzeit kursierenden Dokument handle es sich lediglich um einen Entwurf, gegen den seine Gruppe Vorbehalte habe.

Zeitplan weiter unklar

Wie schnell das Vorhaben umgesetzt werden könnte, ist nach Angaben aus den USA weiterhin offen. In den kommenden Wochen müssten zunächst weitere Einzelheiten ausgearbeitet werden. Ein ranghoher US-Regierungsbeamter sagte, in den nächsten ein bis zwei Monaten könnten Fortschritte sichtbar werden. Eine Quelle aus dem Umfeld des Friedensrates nannte für das Gesamtvorhaben einen Rahmen von 200 bis 350 Tagen. Genauere Angaben seien aber erst möglich, wenn für jede Phase ein eigener Zeitplan vereinbart worden sei.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Trumps Mitteilung angesichts der jüngsten Eskalationen in der Region als „die einzige gute Nachricht der letzten Tage“. Zugleich forderte er ein Ende der Kämpfe an allen Fronten.

Israel hält diskutierten Plan weiter für unzureichend

Ein israelischer Regierungsvertreter hatte bereits vor Trumps Mitteilung erklärt, Israel verlange eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Dazu gehörten aus israelischer Sicht auch der Abtransport sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen sowie eine umfassende Entmilitarisierung des Küstengebiets – als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess.

Nach dieser Linie werde es keinen Rückzug der israelischen Armee von der „gelben Linie“ geben, solange die vollständige Entwaffnung der Hamas nicht tatsächlich umgesetzt sei.

Krieg, Waffenruhe und humanitäre Krise

Ausgelöst wurde der Gaza-Krieg durch den Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023. Seit Oktober 2025 gilt im Gaza-Krieg formell eine Waffenruhe, dennoch kommt es weiterhin zu tödlichen Angriffen und Konfrontationen. Nach israelischen Medienberichten verfolgt das israelische Militär weiter das Ziel, alle am Massaker beteiligten Täter aufzuspüren und zu töten. Demnach könnte es sich noch um rund 2.000 Terroristen handeln.

Die Lage für die Bewohner des Gazastreifens bleibt prekär. Viele Menschen leben wegen der massiven Zerstörungen weiter in überfüllten Zeltlagern, in denen es an zahlreichen grundlegenden Gütern des täglichen Bedarfs fehlt.

Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des abgeriegelten Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe zugleich, ihre Herrschaft in den von ihr weiter kontrollierten Teilen des Gazastreifens wieder zu festigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen