US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass der von den Vereinigten Staaten angestoßene Friedensrat eine Vereinbarung zur vollständigen Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen erreicht habe. Nach Angaben aus US-Kreisen hat die islamistische Organisation ihrer Entwaffnung grundsätzlich zugestimmt. Eine offizielle Reaktion aus Israel auf Trumps Ankündigung liegt bislang nicht vor.
Was sieht der Plan für die Hamas vor?
Kern des Vorschlags ist die Entmilitarisierung des Gazastreifens. Nach Darstellung aus US-Kreisen hat die Hamas dem endgültigen Text eines Zeitplans zugestimmt, der ihr in der jüngsten Vermittlungsrunde vorgelegt worden sei. Darin ist ausdrücklich auch ihre vollständige Entwaffnung festgeschrieben.
Die Waffen der Hamas sollen an die palästinensische Übergangsverwaltung NCAG übergeben werden. Aus dem Umfeld des Plans heißt es zugleich, dass das allein nicht reichen würde: Auch andere bewaffnete Gruppen und einflussreiche Clans in Gaza müssten entmachtet werden. Die NCAG soll künftig außerdem die Strafverfolgung im Gazastreifen übernehmen.
Neu ist dabei eine klare Vorgabe des Friedensrats: Waffen dürfen weder an Israel noch an andere nicht-palästinensische Akteure übergeben werden. Künftig soll ausschließlich die palästinensische Übergangsregierung Waffen im Gazastreifen verwahren und kontrollieren.
Unterstützt werden soll das Vorhaben von einer Internationalen Stabilisierungstruppe unter Führung der USA. Nach Insiderangaben gibt es bereits Zusagen für mehr als 5.000 Soldaten aus mehreren Staaten. Ihre Hauptaufgaben wären demnach:
- die Polizei in Gaza auszubilden,
- bei der Entwaffnung der Hamas zu helfen und beschlagnahmte Waffen sicher zu lagern,
- während des israelischen Truppenrückzugs zwischen Israel und den Palästinensern zu vermitteln.
Wird Israel seine Truppen dann automatisch abziehen?
Nein. Der Plan sieht zwar einen schrittweisen Abzug der israelischen Streitkräfte vor, der am Ende in einen vollständigen Rückzug aus dem Gazastreifen münden soll. Ein fester Zeitrahmen dafür steht bislang jedoch nicht fest.
Israel hat dazu nach Angaben aus dem Umfeld des Friedensrats ein zentrales Argument vorgebracht: Ein Rückzug komme erst in Betracht, wenn die Hamas durch ihre Präsenz und den Zugang zu Waffen keine Bedrohung mehr darstelle.
Aus israelischen Regierungskreisen hieß es zudem, die Armee werde sich vor einer tatsächlichen Entwaffnung der Hamas nicht von ihrer derzeitigen sogenannten gelben Linie zurückziehen. Diese Linie bezeichnet die aktuelle Rückzugsposition der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen. Demnach hat Israel seine Kontrolle über das Gebiet in den vergangenen Monaten von 53 Prozent auf mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Darüber hinaus soll Israel Verpflichtungen einhalten, damit humanitäre Zugänge offen bleiben und Hilfslieferungen nach Gaza ermöglicht werden.
Seit Oktober 2025 gilt im Gaza-Krieg eine Waffenruhe, dennoch kommt es weiterhin zu tödlichen Angriffen. Israel kontrolliert noch immer mehr als die Hälfte des abgeriegelten und durch den Krieg stark zerstörten Küstengebiets. Zugleich konnte die Hamas ihre Herrschaft in den von ihr weiter kontrollierten Teilen seit Beginn der Waffenruhe wieder festigen.
Welcher Zeitrahmen ist für die Umsetzung vorgesehen?
Aus dem Umfeld des Friedensrats wurde für die Umsetzung des gesamten Plans ein grober Zeitraum von 200 bis 350 Tagen genannt. Zugleich heißt es, dass der konkrete Ablauf maßgeblich von den einzelnen Phasen abhängt.
Geplant ist ein Stufenmodell, bei dem sowohl die Hamas als auch Israel bestimmte Bedingungen erfüllen müssen. Neu hinzugekommen ist dabei ein weiterer Zwischenschritt: Innerhalb von 14 Tagen, nachdem alle beteiligten Parteien dem Fahrplan zugestimmt haben, sollen Zeitplan und Umsetzungsmechanismen im Detail ausgearbeitet werden.
Ein unabhängiger Prüfungsausschuss soll anschließend kontrollieren, ob die Anforderungen einer Phase erfüllt wurden. Erst dann würde der nächste Schritt beginnen. Das Prinzip lautet sinngemäß: Wird Phase eins blockiert, startet Phase zwei nicht. Damit soll dem tiefen Misstrauen beider Seiten Rechnung getragen werden.
Genau darin liegt aber auch ein erhebliches Risiko: Erfüllt eine Partei ihre Zusagen nicht oder verweigert das Kontrollgremium die Zustimmung, dürfte sich der gesamte Zeitplan deutlich verzögern.
Was ist das übergeordnete Ziel?
Langfristig geht es um den Wiederaufbau des Gazastreifens. Nach Darstellung aus dem Umfeld des Plans sollen für die Palästinenser dort Wohlstand, Sicherheit und Frieden geschaffen werden.
Ein weiteres Ziel sei es, Gaza innerhalb weniger Jahre vollständig von Entwicklungshilfe unabhängig zu machen. Erreicht werden solle das durch den Aufbau einer starken Wirtschaft auf Grundlage freier Marktwirtschaft, Investitionen und Kapitalzufluss.
Voraussetzung dafür ist nach Angaben aus dem Umfeld des Vorhabens allerdings, dass die Hamas nicht erneut erstarkt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber