Israel

10 Tage Belagerung: So hält Kusra noch immer durch

Seit Tagen von Siedlern umzingelt: Warum Armee und Polizei diese Familie noch immer in ihrem Haus festsitzen lassen

18.08.2026, 12:05 Uhr

Auch am zehnten Tag der Belagerung palästinensischer Häuser im westjordanländischen Ort Kusra durch radikale israelische Siedler hält die betroffene Familie weiterhin in ihrem Zuhause aus. Nach Angaben des Dorfvorstehers Abdul Asim al-Wadi gegenüber der Deutschen Presse-Agentur haben israelische Armee und Polizei die Abriegelung bislang nicht beendet.

Einer der Eigentümer eines der eingeschlossenen Häuser, Luai Abu Rida, der zugleich US-Staatsbürger ist, kehrte am Montag aus den Vereinigten Staaten zurück, um das Gebäude zu schützen. Die Familie befürchtet, dass Siedler die Häuser gewaltsam übernehmen könnten, falls sie diese verlassen. Auf Aufnahmen vom Montagabend war zu sehen, wie Abu Rida auf dem Dach eine US-Flagge hisste.

Wasser und Strom wieder verfügbar

Laut dem Dorfvorsteher wurde Abu Ridas Rückkehr in den Ort und in das Haus mit der Armee abgestimmt. Zwar sei es gelungen, die zuvor von Siedlern unterbrochene Wasser- und Stromversorgung wiederherzustellen. Dennoch wachse die Sorge, dass Lebensmittel und Medikamente knapp werden könnten.

Bereits am Sonntag hatte ein Team des UN-Kinderhilfswerks Unicef die Familie mit Hilfsgütern versorgt. Geliefert wurden unter anderem Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente, Hygieneartikel sowie Lern- und Spielmaterial für die Kinder.

Kritik am Vorgehen gegen Siedlergewalt

Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Immer wieder wird dem israelischen Militär vorgeworfen, bei solchen Übergriffen nicht entschieden genug einzugreifen.

Nahostkonflikt - Kusra
Ein in Ohio lebender palästinensisch-amerikanischer Besitzer eines der blockierten Häuser in Kusra begrüßt bei seiner Rückkehr aus den USA seine Mutter. (Archivbild) Quelle: Majdi Mohammed/AP/dpa

Israels Verteidigungsminister Israel Katz ordnete am Freitag an, Zuständigkeiten zur Rechtsdurchsetzung in zivilen Angelegenheiten mit Blick auf israelische Siedler an die Polizei zu übertragen. Nach Angaben seines Büros erklärte er, die Aufgabe der Armee bestehe darin, palästinensischen Terror zu bekämpfen und sich auf den Schutz von Grenzen und Siedlungen zu konzentrieren.

Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir gilt seit Jahren als überzeugter Unterstützer der Siedlerbewegung. Kritiker bezweifeln daher stark, dass die Polizei künftig härter gegen gewalttätige Siedler vorgehen wird als das Militär — viele rechnen eher mit dem Gegenteil.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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