Bayern

Wie oft Kerosin abgelassen wird – und was das anrichtet

60 Tonnen Kerosin über München: Solche Notablässe passieren öfter als gedacht – wie gefährlich ist das wirklich?

18.08.2026, 12:09 Uhr

Beim Zwischenfall mit einer Boeing-Maschine am Wochenende in München wurden etwa 60 Tonnen Kerosin in der Luft abgelassen. Solche Vorgänge kommen öfter vor, als viele annehmen. Das geht aus einer Übersicht des Luftfahrtbundesamtes hervor. Demnach wurden allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 im deutschen Luftraum 15 Treibstoffablässe registriert, in 6 Fällen war Bayern zumindest teilweise betroffen.

Seit Anfang 2018 verzeichnet die Liste insgesamt 203 solcher Ereignisse. Mehrere Dutzend davon fanden ganz oder teilweise über Bayern statt. Die Menge des abgelassenen Treibstoffs variiert erheblich: Manchmal handelt es sich nur um einige Hundert Kilogramm, in einem Einzelfall sogar um 100 Tonnen. Mengen von rund 50 Tonnen sind dabei keineswegs ungewöhnlich. Als Ursache werden in den meisten Fällen technische Probleme angegeben.

Landungen erfordern oft ein geringeres Gewicht

Der Grund für diese Maßnahme liegt in den unterschiedlichen Gewichtsgrenzen von Flugzeugen. Beim Start dürfen Maschinen in der Regel schwerer sein als bei der Landung. Muss ein Flugzeug kurz nach dem Abheben auf einem eigentlich langen Flug ungeplant zurückkehren, sind die Tanks oft noch fast voll. Um sicher landen zu können, muss die Maschine deshalb zunächst Gewicht verlieren.

Nach Angaben des Luftfahrtbundesamtes liegt die Entscheidung über einen Treibstoffablass ausschließlich bei der Cockpitbesatzung. Die Flugsicherung sucht anschließend einen geeigneten Luftraum aus, der möglichst wenig beflogen ist und nach Möglichkeit fern größerer Städte liegt. Der Treibstoff darf nur in einer Höhe von mindestens 1.800 Metern abgelassen werden, meist geschieht dies jedoch deutlich höher in 4 bis 8 Kilometern Höhe. Während des Ablassens und noch 15 Minuten danach muss der betroffene Luftraum außerdem frei von anderem Durchgangsverkehr bleiben.

Behörden sehen derzeit keine gravierenden Folgen

Welche Auswirkungen hat das auf die Regionen unterhalb der Ablassgebiete? Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes haben sogenannte Treibstoffschnellablässe nach heutigem Wissensstand keine kritischen Folgen für Mensch und Umwelt. In einem Positionspapier von Ende 2020 empfiehlt die Behörde allerdings, die betroffenen Gebiete nach Möglichkeit zu wechseln.

Dass die Belastung vergleichsweise niedrig bewertet wird, hängt vor allem mit der großräumigen Verteilung des Kerosins zusammen. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass der Treibstoff meist innerhalb von 5 bis 30 Minuten abgelassen wird, verteilt über eine Strecke von etwa 40 bis 220 Kilometern. Auf dem Weg nach unten wird das versprühte Kerosin weiter zerstäubt und verdunstet zum Teil. Wie viel davon tatsächlich den Boden erreicht, hängt unter anderem von der Ablasshöhe, der Temperatur und den Windverhältnissen ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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