Israel

Schlag im Südlibanon: Israel tötet Hisbollah-Kommandeur

Elf Tote nach Israels Angriffen im Südlibanon – war unter den Opfern auch ein Top-Kommandeur der Hisbollah?

16.08.2026, 09:03 Uhr

Ungeachtet der geltenden Waffenruhe geht der tödliche Schlagabtausch zwischen Israel und der Hisbollah im Süden des Libanon weiter. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben bei einem gezielten Angriff in Deir al-Sahrani einen ranghohen Kommandeur der Miliz getötet.

Aus offiziellen libanesischen Kreisen hieß es, bei dem Angriff auf den Ort seien vier Menschen ums Leben gekommen und 17 weitere verletzt worden. Eine offizielle Bestätigung der Hisbollah zum Tod des Kommandeurs lag zunächst nicht vor.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut wurden am Samstag bei zwei israelischen Luftangriffen im Südlibanon insgesamt mindestens elf Menschen getötet und 19 verletzt. Ministerpräsident Nawaf Salam sprach auf X von einer „äußerst ernsten Angelegenheit“ und warnte, die Angriffe untergrüben die Bemühungen um eine Stabilisierung der Lage.

Streit über Verstöße gegen die Waffenruhe

Israel stellte den Angriff als Reaktion auf Einsätze der Hisbollah gegen israelische Soldaten in der sogenannten Sicherheitszone dar. Zuvor seien bei einem Angriff mit einer sprengstoffbeladenen Drohne am Ali-al-Taher-Pass drei israelische Soldaten schwer verletzt worden.

Die israelische Armee erklärte zudem, der getötete Kommandeur sei in der Vergangenheit an mehreren Attacken auf israelische Soldaten beteiligt gewesen, darunter auch an Einsätzen mit explosiven Drohnen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.

Der in Israel bekannte Journalist Raviv Drucker schrieb auf X, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und das Militär hätten die Luftangriffe mit einem Verstoß der Hisbollah gegen die im Juni mit dem Libanon vereinbarte Waffenruhe begründet. Zugleich agiere die israelische Armee demnach am Ali-al-Taher-Pass mit dem Ziel, dort in einem unterirdischen Bunker verschanzte Hisbollah-Kämpfer auszuschalten. Die Hisbollah habe dieses Vorgehen wiederum als Bruch der Waffenruhe gewertet und mit einer Sprengstoffdrohne reagiert.

Israel und die Hisbollah werfen sich seit Längerem gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben einseitig eine „Sicherheitszone“ im Südlibanon eingerichtet, um Angriffe der Hisbollah auf den Norden des Landes zu verhindern.

Abkommen mit Libanon, aber Hisbollah lehnt Entwaffnung ab

Nach jahrzehntelangem Kriegszustand hatten sich Israel und die libanesische Regierung im Juni auf einen Weg zu Frieden und Sicherheit verständigt. Die proiranische Hisbollah lehnt diese Vereinbarung jedoch ab. Sie war an den Verhandlungen nicht beteiligt und weist vor allem die im Abkommen vorgesehene Entwaffnung strikt zurück.

Weitere Verhandlungen ungewiss

Mit Blick auf die von den USA vermittelten Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung sehen Beobachter die Hisbollah an einem kritischen Punkt. Der Militärkorrespondent der israelischen Zeitung „Maariv“ schrieb, die Miliz müsse erkennen, dass sie ihre Rückzugsräume rund um den strategisch wichtigen Höhenzug Ali al-Taher faktisch verloren habe. Zugleich habe der Iran bislang keine ernsthaften Schritte unternommen, um die dortigen Hisbollah-Kämpfer zu schützen.

Unterdessen berichtete der libanesische Fernsehsender Al-Dschadid unter Berufung auf Militärkreise, dass nach der jüngsten Eskalation fraglich sei, ob es überhaupt zu einer weiteren Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon kommen werde. Für September sei bislang kein Treffen der Militärdelegationen angesetzt. Diplomatische Quellen warnten dem Sender zufolge zudem, ein großangelegter israelischer Angriff auf den Höhenzug Ali al-Taher könnte den Iran zu einer direkten Einmischung bewegen.

Auch US-Iran-Rahmenabkommen unter Druck

Am 17. Juni hatten sich die USA und der Iran in einem Rahmenabkommen auf ein dauerhaftes Ende des Kriegs an allen Fronten verständigt, auch im Libanon. Das separate, von den USA vermittelte Abkommen zwischen Israel und der libanesischen Regierung sieht einen schrittweisen israelischen Truppenabzug aus dem Südlibanon vor – gekoppelt an die Entwaffnung der Hisbollah.

Die Hisbollah gilt als engster Verbündeter Teherans in der Region und wird nach Angaben der US-Regierung mit Geld und Waffen aus dem Iran unterstützt. Die iranische Führung hat Israel für Angriffe auf die Miliz wiederholt mit Raketenbeschuss gedroht.

Das Rahmenabkommen sah außerdem vor, dass die USA und der Iran innerhalb von 60 Tagen über Kernfragen wie das iranische Atomprogramm und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte verhandeln. Rechnerisch lief diese Frist an diesem Wochenende ab, Vermittler aus Pakistan und mehrere Medien nannten dagegen Montag als Stichtag. Da beide Seiten in den vergangenen Wochen bereits gegen Teile des Abkommens und gegen die Waffenruhe verstoßen haben, bemühen sich Vermittler derzeit um eine Verlängerung der Feuerpause.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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