Israel erinnert mit landesweiten Protesten am 1.000. Tag seit dem 7. Oktober
Mit Protesten und Gedenkveranstaltungen im ganzen Land haben zahlreiche Menschen in Israel am 1.000. Tag nach dem 7. Oktober 2023 an das beispiellose Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas erinnert. Die erste Zeremonie begann bereits am frühen Morgen an einer Kreuzung in Galiläa im Norden des Landes. Im weiteren Tagesverlauf waren zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant.
Bei einer Kundgebung auf dem sogenannten Geiselplatz im Zentrum von Tel Aviv schilderte der Deutsch-Israeli Rom Braslavski laut der Zeitung The Times of Israel seine Erfahrungen. „Ich wurde zwei ganze Jahre lang in Gaza festgehalten. Wir gedenken nun 1.000 Tagen, aber für mich war es eine Ewigkeit“, sagte er demnach. Weiter erklärte Braslavski: „Ich habe in diesen 1.000 Tagen 1.000 Leben durchlebt.“ Der Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen sei zwar vorbei, sein „persönlicher Krieg“ gegen eine posttraumatische Belastungsstörung gehe jedoch jeden einzelnen Tag weiter.
Der Angriff der Hamas und weiterer extremistischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden, war der Auslöser des verheerenden Gaza-Kriegs. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seither mehr als 73.000 Palästinenser getötet. Israels Regierung und Militär weisen die Vorwürfe zurück, sich Kriegsverbrechen und des Völkermords schuldig gemacht zu haben.
Harte Kritik der Opposition
Die israelische Opposition wirft Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seiner Regierung vor, ihre Verantwortung für das Versagen vor dem 7. Oktober und am Tag des Massakers vertuschen zu wollen.
Oppositionspolitiker Avigdor Lieberman besuchte den Kibbuz Kfar Aza, der damals zu einem der Hauptschauplätze des Terrors wurde. Dort bezeichnete er den Angriff nach Angaben des Senders Kan als „die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des jüdischen Volkes seit dem Holocaust“. Die Warnzeichen seien im Vorfeld erkennbar gewesen, dennoch versuche die Regierung seither, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Auch 1.000 Tage später seien in dem regionalen Krieg noch immer „alle Fronten offen“. Die rechtsreligiöse Regierung habe Israel „Chaos und Anarchie“ hinterlassen, sagte Lieberman, der früher Israels Außen- und Verteidigungsministerium leitete.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber