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Deep Purple schockt: «Ohne jede Vorwarnung»

Deep Purple strotzen selbst nach 60 Jahren vor Energie – und Ian Gillan verrät, was ihn am Älterwerden richtig nervt.

02.07.2026, 10:08 Uhr

Deep Purple zeigen sich im hohen Alter erstaunlich produktiv: Mit „Splat!“ veröffentlicht die britische Rockband bereits ihr fünftes Studioalbum innerhalb von neun Jahren. Schlagzeuger Ian Paice erklärte im Gespräch in London, dass die Band heute großen Spaß daran habe, neue Platten aufzunehmen. Einen wichtigen Anteil daran habe Produzent Bob Ezrin, der der Gruppe viel Arbeit abnehme, sodass sie nicht mehr alles allein stemmen müsse.

Ezrin, der unter anderem mit Kiss, Alice Cooper und Pink Floyd gearbeitet hat, ist seit 2013 an der Seite von Deep Purple. Auch auf dem neuen Werk zeigt der Kanadier erneut sein Gespür für den Sound der Band.

Kraftvoller Auftakt

Schon der Einstieg macht klar, wohin die Reise geht: „Arrogant Boy“ startet ohne Umschweife und mit voller Wucht. Paice freut sich über diesen direkten Beginn: kein langsames Herantasten, sondern sofort volle Energie. Mehr als fünf Jahrzehnte nach Klassikern wie „Highway Star“ gelingt der Band damit erneut ein beeindruckender Auftakt.

Sänger Ian Gillan zufolge beschäftigt sich der Song mit dem Thema Populismus. Er kritisiert die zunehmend aggressive politische Stimmung und sieht weder in linken noch in rechten Strömungen echte Bewegung, sondern eher ein ständiges Hin und Her ohne grundlegende Veränderungen.

Für die Texte hatte Gillan bereits im vergangenen Sommer verschiedene Geschichten und Ideen gesammelt. Diese dienten als Grundlage für die neuen Songs. Manche Einfälle hätten seiner Ansicht nach sogar Stoff für zahlreiche unterschiedliche Lieder geboten.

Neues von Deep Purple: «Es gibt keinerlei Vorwarnung»
Das Cover des neuen Albums. Quelle: Handout / Berlin/earMusic/dpa

Kritik an Regeln, Kontrolle und digitalem Alltag

Der Titel „Jessica’s Bra“ ist dabei wörtlich missverständlich: Gemeint ist eigentlich „Jessica’s Bar“, wobei ein Schreibfehler auf einem Schild zur Vorlage wurde. Im Lied setzt sich Gillan mit einer Gesellschaft auseinander, die er als überreguliert und kontrolliert empfindet. Seiner Ansicht nach sei heute vieles von Vorschriften geprägt, und Menschen gerieten schnell unter Verdacht, noch bevor überhaupt etwas geschehen sei.

Mit Humor und beißendem Sarkasmus kommentiert der Frontmann auf dem Album moderne Entwicklungen. Besonders deutlich wird das in „Scriblin’ Gib’rish“, wo er sich etwa über die Tücken des digitalen Alltags aufregt – zum Beispiel über Online-Abfragen, bei denen man erst bestätigen muss, dass man ein Mensch ist.

Gillan räumt dabei selbstkritisch ein, dass ihn die technische Entwicklung teilweise abgehängt habe. Er sei nicht mehr so schnell wie früher, halte manche digitalen Abläufe aber dennoch schlicht für unnötige Zeitverschwendung.

Klassischer Purple-Sound mit frischem Impuls

Musikalisch bietet „Splat!“ eine druckvolle Produktion, die klar als Deep Purple zu erkennen ist. Neben der markanten Hammond-Orgel von Don Airey fällt vor allem das Gitarrenspiel von Simon McBride auf. Der 47-Jährige ist erst seit 2022 festes Mitglied und prägt den Klang der Band inzwischen deutlich mit.

Gillan lobt McBride ausdrücklich für seinen eigenen Stil und sein Gefühl für den Aufbau von Songs. Offenbar hat der Gitarrist der Gruppe neuen Schwung verliehen. Laut Gillan funktioniere seit seinem Einstieg vieles nahezu mühelos – vom Songwriting über die Konzerte bis zur Resonanz des Publikums.

Auch Paice sieht das ähnlich. Wenn ein Album ohne große Reibung entstehe, sei das meist ein gutes Zeichen. Dann müsse man nicht krampfhaft nach Ideen suchen, die eigentlich gar nicht vorhanden seien.

Kein Abschied in Sicht

Der Albumtitel „Splat!“ soll übrigens an das Geräusch eines Insekts erinnern, das gegen eine Windschutzscheibe prallt. Gillan empfand den Titel zunächst als zu endgültig, weil er schnell Assoziationen an ein letztes Album wecke. Doch aktuell deutet wenig darauf hin, dass Deep Purple ans Aufhören denken.

Gillan sagte, er habe dabei auch an Stephen Hawkings Gedanken über Zeit und Ursprung des Universums denken müssen. Aus dieser Überlegung habe sich für ihn wieder eine positivere Perspektive ergeben – mit neuer Hoffnung und einem frischen Antrieb.

Die Band wirkt auf „Splat!“ jedenfalls bemerkenswert vital. Trotz eines Durchschnittsalters von fast 73 Jahren klingen Deep Purple lebendig, spielfreudig und energiegeladen.

Bis zum Jahresende stehen zudem zahlreiche Konzerte auf dem Plan. Am 19. Juli tritt die Band beim Tollwood Festival in München auf, im Herbst folgen sechs weitere Shows in Deutschland.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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