Israel veröffentlicht zum Entebbe-Jahrestag erstmals vollständige Akten samt Fotos und Telefonmitschnitten
Zum 50. Jahrestag der Flugzeugentführung von Entebbe macht das israelische Staatsarchiv erstmals eine umfassende Sammlung historischer Unterlagen öffentlich zugänglich. Freigegeben werden sämtliche Akten zur „Operation Entebbe“, darunter auch bislang geheime Dokumente, Telefonmitschnitte und Fotos.
Nach Angaben der Behörde ermöglicht die Auswertung zehntausender Seiten Archivmaterials ein genaueres und umfassenderes Bild der Ereignisse jener Woche – von der Geiselnahme am 27. Juni 1976 bis zur bewaffneten Befreiungsaktion in den frühen Morgenstunden des 4. Juli.
Palästinensische und deutsche Terroristen hatten damals eine Maschine der Air France auf dem Weg von Athen nach Paris entführt. Sie wollten die Freilassung von Gefangenen in Israel, Frankreich, Deutschland und der Schweiz erzwingen, darunter auch inhaftierte Mitglieder der linksextremen deutschen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF).
Wie aus den nun veröffentlichten Angaben hervorgeht, gehörten die palästinensischen Entführer der Splittergruppe Volksfront zur Befreiung Palästinas – Externe Operationen (PFLP-EO) unter Führung von Wadie Haddad an. Die deutschen Beteiligten waren Mitglieder der Revolutionären Zellen (RZ).
Nach einem Zwischenstopp in Libyen flogen die Entführer nach Entebbe in Uganda. Dort ließen sie die meisten nichtjüdischen Passagiere frei, hielten jedoch mehr als 100 jüdische und israelische Geiseln fest. Die französische Besatzung der Maschine entschied sich, bei den Geiseln zu bleiben.
Die Unterlagen schildern auch, wie die israelische Regierung von der Entführung erfuhr. Demnach unterbrach Ministerpräsident Jitzhak Rabin eine Kabinettssitzung mit dem Hinweis, dass der Kontakt zu dem Flugzeug nach dem Stopp in Athen abgebrochen sei und es den Anschein habe, dass die Maschine entführt worden sei. Noch während der Sitzung sei bekannt geworden, dass das Flugzeug im libyschen Bengasi gelandet war. Zu diesem Zeitpunkt sei noch unklar gewesen, wer hinter der Tat stand und welches Ziel verfolgt wurde.
Am 4. Juli 1976 befreite eine israelische Spezialeinheit die Geiseln in einer gewagten Militäraktion. Dabei wurden alle sieben Entführer getötet, ebenso drei Geiseln, mehrere ugandische Soldaten und der israelische Kommandeur Jonatan Netanjahu, der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Nach Angaben des Staatsarchivs dokumentieren die Protokolle die internen Beratungen der Regierung, strategische Bedenken, unterschiedliche Szenarien und auch die Zweifel der Entscheidungsträger während der Krise. Zudem werde das Ausmaß der Unterstützung des damaligen ugandischen Präsidenten Idi Amin für die Entführer deutlich.
Die Veröffentlichung zeige außerdem, wie schwierig die Abwägung zwischen Verhandlungen, die auf eine Kapitulation hinauslaufen könnten, und dem enormen Risiko einer Militäraktion gewesen sei. Rabin bezeichnete die Befreiung später in der Knesset als einen der beispielhaftesten Siege – menschlich, moralisch und militärisch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber